20.02.2013
Innsbruck

Querelen in Kripo sorgen für Unruhe

Beamte lassen sich versetzen, die Korruptionspolizei ermittelt. Eine Abteilung der Kripo steckt offenbar in einer tiefen Krise.
Foto: Tiroler Tageszeitung

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Die Sitzung, die vor einer Woche in einem Konferenzzimmer des Stadtpolizeikommandos stattfand, sorgt noch immer für Gesprächsstoff. „Dass eine ganze Kripo-Abteilung einen Polizeipsychologen als Mediator benötigt, um die zwischenmenschlichen Probleme in den Griff zu bekommen, gab‘s seit der Polizeireform noch nie“, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Ein Alarmzeichen – immerhin ging‘s bei der Sitzung ums Arbeitsklima im sensiblen Kripo-Fachbereich 1 – um jene Abteilung also, die sich um Gewaltdelikte und das Rotlichtmilieu kümmert.

Die Mitarbeiter-Fluktuation ist dort seit Jahren ungewöhnlich hoch. „Sechs Beamte warfen nach kurzer Zeit wieder das Handtuch, ließen sich versetzen oder flüchteten in Krankenstände“, heißt‘s aus dem Stadtpolizeikommando. Betroffene Mitarbeiter beklagen Führungsschwäche, vermissen soziale Kompetenz. „Statt Unterstützung zu erhalten, werden Kollegen wegen Kleinigkeiten angezeigt.“

Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler räumt ein, dass „die Abteilung ein exponierter Bereich ist, die psychische Belastung für die Mitarbeiter ist hoch“. Die Sitzung mit psychologischer Unterstützung ist für den Innsbrucker Polizeichef keineswegs ein Einzelfall, „wir bedienen uns moderner Führungsmethoden“.

Abseits der internen Querelen droht auch Ungemach von außen: „Wir führen seit Oktober ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs“, bestätigt Heinz Rusch, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Feldkirch (Vorarlberg). Beamte des Bundesamtes zur Korruptionsbekämpfung reisten vor zwei Wochen eigens aus Wien an, um die Verdachtsmomente zu überprüfen.

Im Zentrum der Ermittlungen steht der Chef des Fachbereichs 1. Der Kripo-Beamte leitete im Herbst 2011 eine Razzia in einer Innsbrucker Wohnung. Auslöser war eine Annonce, in der die Bewohnerin erotische Massagen angeboten hatte.

Die Ermittler begutachteten ohne Hausdurchsuchungsbefehl den Inhalt diverser Kästen, versiegelten anschließend für mehrere Wochen die Tür und kennzeichneten die Wohnung als Bordellbetrieb. Erst als der Mieter und seine Freundin auszogen, wurde das Polizeisiegel entfernt.

Der Unabhängige Verwaltungssenat bezeichnete die Amtshandlung bereits als rechtswidrig. Jetzt prüfen auch Staatsanwaltschaft und Korruptionspolizei die Vorgangsweise der Kripo-Beamten.

Für Kirchler ist das Ermittlungsverfahren nicht ungewöhnlich: „Aus dem Rotlichtmilieu kommen immer wieder Anzeigen, die sich gegen die Beamten richten.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mi, 20.02.2013
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