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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 15.03.2013

Des Aufsteigers letzte Stunden

Peter Turrinis Bühnenmonolog „Endlich Schluss“ im SZentrum Schwaz.

Schwaz – Eigentlich liest sich die Vita des namenlosen Protagonisten von Peter Turrinis Bühnenmonolog „Endlich Schluss“ wie eine der gemeinhin so beliebten Erfolgsstorys: vom kleinen Lohnschreiber zum stadtbekannten Starjournalisten, vom namenlosen Randspaltenfüller zum scharfzüngigen – und in seiner Meinung durchaus flexiblen – Leitartikler. Eigentlich. Denn beim unaufhaltsamen Aufstieg ist einiges auf der Strecke geblieben. Beziehungen sind zu Bruch gegangen, die eigenen Kinder fremdeln und manche über die Jahre nur notdürftig verarztete Wunde droht jetzt, wo der einsame Gipfel quasi uneingeschränkten Einflusses erklommen wurde, wieder aufzubrechen. Kurz: Der Speichellecker überdrüssig, sucht der Mann das Wesentliche – und findet nichts. Also greift er zum Revolver. Schließlich wird die Sinnlosigkeit alles Irdischen von nichts augenscheinlicher unterstrichen als von einem Schuss in die eigene Schläfe. Chris Kohler spielt den suizidalen Aufsteiger als weinerlichen Wichtigtuer, dem das Selbstmitleid zunehmend die Kehle zudrückt. Bis zum letzten Moment bleibt dieser Todessehnsüchtige ein affektierter Gockel, der sich jetzt am eigenen Schmerz berauscht – ganz so wie früher beim ein oder anderen Sektempfang.

Das von Regisseurin Sandrina Mestrovic entworfene Bühnenbild – ein sachlicher Büroraum samt Sitzecke – wird dabei zusehends zum Käfig, den der Protagonist – wie weiland Rilkes „Panther“ – ziellos durchstreift. Am Ende geht das Licht aus, dann fällt der wenig überraschende aber erlösende Schuss. (jole)