27.05.2010
Innsbruck

Von SMS und Mikroessays

„Konzentrate, Konzentrate“ titeln die 33. Innsbrucker Wochenendgespräche­. Welche Überraschungen die kleine Form birgt, erzählt Gisela Holzner.
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Gespräche und Lesungen

Die Wochenendgespräche finden im Ensembleproberaum des Tiroler Landestheaters statt. 28. Mai, von 10 bis 12 Uhr mit Alois Hotschnig, Jean-Marc Seiler, Ulrike Almut Sandig, und von 15 bis 17 Uhr mit Walle Sayer, Tobias Grüterich, Uljana Wolf. 29. Mai, von 10 bis 12 Uhr mit Martin Gülich, Irène Bourquin, Elfriede Czurda und von 15 bis 17 Uhr mit Nina Jäckle, Beat Gloor, Antonio Fian. Moderation: Markus Bundi.

Die Lesungen im ORF Tirol Kulturhaus finden am 27.und 29. Mai statt, jeweils 20.15 Uhr. Den Anfang macht die erste Gruppe der Gespräche. Es moderieren Markus Bundi und Carolina Schutti. Affichen von Jean-Marc Seiler sind in der Wagner‘schen Buchhandlung ausgestellt, Konkrete Texte auf der Wäscheleine und eine Schimpfmaschine von Beat Gloor in der Buchhandlung Wiederin.

Von Sabine Strobl

Innsbruck – Schon beim Durchschauen des Programms wird deutlich, dass es sich bei den Innsbrucker Wochenendgesprächen um eine etwas andere Literaturveranstaltung handelt. Buntes Eventfeeling ist Nebensache. Statt der Fotos der eingeladenen Autorinnen und Autoren werden Texte mitgereicht. Was bei den diesjährigen 33. Wochenendgesprächen einfach ist, geht es doch um die kurzen Formen in der Literatur. Und wie Organisatorin Gisela Holzner im Gespräch mit der TT erzählt, hält die kleine Form viele Überraschungen bereit. „Es ist schon erstaunlich, wie viel in so winzigen Texten zu entdecken ist, wie viel kleine Beobachtungen aussagen“, bemerkt Holzner und fährt fort: „Der Umgang mit kurzen Formen ist alles andere als streng, sondern oft sehr spielerisch und lädt zum Experimentieren ein.“ Das Ergebnis ist eine ungeheure Vielfältigkeit, die in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur etwa in Aphorismen, Prosagedichten, Miniaturen, Bagatellen, Dramoletten, Affichen und konkreten Texten ihren Ausdruck findet. Wenn man sich auf diese Formen der Literatur einlässt, schärfen sie die Wahrnehmung, bemerkt Holzner, die persönlich eine Vorliebe für Kurztexte hat.

Die 33. Innsbrucker Wochenendgespräche mit dem Motto „Konzentrate, Konzentra­te“ sind zwar, wie Holzner feststellt, ein formales Thema, aber deshalb nicht weniger ak­tuell. Sind wir doch täglich mit Kurzformen aller Art konfrontiert. Sei es über Schlagzeilen der Medien, E-Mails oder SMS. Während der Vorbereitung der Veranstaltung begeg­neten ihr ständig der Slogan „topaktuell“ oder der Satz „fit­ter, happier, more productive“, schmunzelt Holzner. Jeder Einzelne habe doch schon die Erfahrung gemacht, dass die knappen Botschaften von SMS und E-Mail auch Missverständnisse auslösen können. Die Beschäftigung mit der Beschaffenheit eines Textes führt unweigerlich weiter zum Thema Lesekompetenz, die heute ein Schlüssel im Leben und in einem doppelten Sinn gefragt ist. Einerseits braucht es Lese­kompetenz, um sich kurz und präzise ausdrücken zu können, andererseits natürlich, um in der Flut an Texten eine Auswahl treffen zu können.

Insgesamt 12 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz kommen heuer zu den Gesprächen und Lesungen (siehe Kasten) nach Innsbruck. Der Tiroler Alois Hotschnig hat sich zuletzt in seinen Erzählungen „Im Sitzen läuft es sich besser davon“ nicht nur konsequent mit der Reduktion der Form beschäftigt, sondern auch mit den Essenzen der Kommunikation. Die in Wien lebende Autorin Elfriede­ Czurda lässt mit 366 Mikroessays, zusammengefasst im Band „Ich weiß“, aufhorchen. Im Rahmen dieses Projekts hat sie täglich einen Text mit exakt zwölf Zeilen verfasst. Junge Lyrik wiederum kommt von Uljana Wolf und Ulrike Almut Sandig.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 27.05.2010
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