Das Staunen nicht verlernen
Von Ivona Jelcic
Innsbruck – Der Innsbrucker-Festwochen-Chef Alessandro De Marchi hegt eine (bisher) geheime Leidenschaft für die Quantenphysik, Quantenphysiker Anton Zeilinger hat ein offenes Ohr und Herz für die Alte Musik. Es lag also nahe, den prominenten Wissenschafter und einstigen Vorstand des Institutes für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck als Eröffnungsredner der 35. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik einzuladen, wo er das ebenso weit gefasste wie verheißungsvolle Festival-Motto „Sternstunden“ zum Anlass nahm, gedankliche Brücken zwischen Naturwissenschaft und Musik zu schlagen – nicht nur, weil Georg Philipp Telemann, Komponist der diesjährigen Eröffnungsoper „Flavius Bertaridus“, ein Zeitgenosse Isaac Newtons ist.
Sowohl in der Naturwissenschaft als auch in der Kunst komme man, wenn man von „Sternstunden“ spreche, „an die Grenzen der Vorhersagbarkeit“, so Zeilinger. Die Fragen, wie die Welt wohl in 300 Jahren aussehen und was dann unter den Begriff „Alte Musik“ fallen wird, bleiben letztlich offen, dafür könne man versuchen, der Zukunft mit Wünschen beizukommen: „Dass wir aus dem Staunen nicht herauskommen“, dass Österreich im Bereich Forschung und Wissenschaft „endlich auf eine wettbewerbsfähige Basis gestellt“ werde und „wir ein Wirtschaftssystem entwickeln“, in dem nicht nur das „Eigeninteresse im Vordergrund“ stehe, wünscht sich also Zeilinger.
Landeshauptmann Günther Platter steuerte – adressiert auch an den im Publikum sitzenden Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle – den Wunsch nach einem „Haus der Musik“ für Innsbruck bei, wo die mit Landesmusikschule, Konservatorium und Mozarteum bestehende Ausbildungsschiene adäquate räumliche Bedingungen bekommen soll. „Wir nehmen uns vor, im Herbst die notwendigen Entscheidungen für ein Haus der Musik zu treffen“, erklärte Platter. Das Projekt soll gemeinsam mit der Stadt Innsbruck und dem Bund realisiert werden.
Innsbruck hat demnach als „geschichtsträchtiges Zentrum für die Pflege und Förderung der Alten Musik“ (Bundespräsident Heinz Fischer) noch einiges vor, vorerst verwandelt es sich Sommer für Sommer in ein Mekka für die Freunde Alter Musik: Einen Vorgeschmack auf das mit vier Opernproduktionen diesmal besonders reichhaltige Innsbrucker-Festwochen-Programm boten am Mittwoch im Spanischen Saal von Schloss Ambras Arien aus Telemanns „Flavius Bertaridus“, Johan Adoph Hasses „Romolo ed Ersilia“ und Francesco Cavallis „La Calisto“, der diesjährigen „Barockoper jung“ mit Preisträgern des 2010 erstmals durchgeführten Cesti-Gesangswettbewerbs.



