Polizeiputsch auf den Malediven: Präsident Nasheed zurückgetreten
|
Am Dienstag brachten meuternde Polizisten das Staatsfernsehen unter Kontrolle. Zuvor hatten sie sich Kämpfe mit Soldaten geliefert.
Foto: AP
|
||
Malé - Nach wochenlangen Demonstrationen auf den Malediven ist der erste demokratisch gewählte Präsident des Inselstaates, Mohammed Nasheed, am Dienstag offenbar unter dem Druck einer Polizeimeuterei zurückgetreten. „Es ist für das Land in der derzeitigen Situation besser, dass ich von meinem Amt zurücktrete“, sagte der 44-Jährige in einer Fernsehansprache. Sein Stellvertreter Mohammed Waheed Hassan legte daraufhin in der Hauptstadt Malé den Amtseid als neues Staatsoberhaupt ab. Er soll Nasheeds Mandat, das im November 2013 ausläuft, zu Ende führen. Die Opposition verlangte unterdessen die Festnahme von Nasheed, dem sie Korruption und Machtmissbrauch vorwirft.
Nasheed hatte 2008 seinen Amtsvorgänger Maumoon Abdul Gayoom nach 30 Jahren autoritärer Herrschaft in einer demokratischen Wahl besiegt. Unter der Regierung seines Vorgängers war er wiederholt inhaftiert. Die jüngsten Proteste hatten sich im vergangenen Monat an der Festnahme eines Richters entzündet, dem Fehlverhalten und die unzulässige Bevorzugung von Oppositionsvertretern vorgeworfen worden waren. Der Oberste Gerichtshof hatte die Freilassung des Richters gefordert, der aber in Militärhaft blieb.
In einer „Botschaft an das Volk“ auf seiner Homepage rief Waheed - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Organe dazu auf, die Verfassung zu achten. Die unabhängige Nachrichtenseite „Minivan News“ hatte zuvor gemeldet, Meuterer aus der Polizei hätten sich Demonstranten der Opposition angeschlossen. Das Büro des Präsidenten hatte mitgeteilt, die Regierung unternehme alles, um die Lage zu stabilisieren. Der Chef der „Dhivehi Quamee Party“, Hassan Saeed, forderte die Festnahme Nasheeds. Der zurückgetretene Staatschef habe wiederholt gegen die Verfassung verstoßen, erklärte der Oppositionspolitiker.
Laut Österreichischem Reisebüroverband dürften sich derzeit ca. 200 über Reiseveranstalter gebuchte österreichische Gäste auf den Malediven befinden. Die Demonstrationen hätten sich auf die Hauptstadtinsel Malé beschränkt. Die benachbarte Flughafeninsel sowie die Inseln mit den Urlaubs-Resorts seien nicht betroffen. Das deutsche Auswärtige Amt rät seit Dienstag Urlaubern vom Besuch von Male ab.
Die Malediven im Indischen Ozean bestehen aus 1190 Inseln, von denen rund 200 bewohnt sind. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen. Die Inselrepublik hat knapp 400.000 Einwohner, die große Mehrheit der Bevölkerung lebt in Armut. Von 1887 bis zur Unabhängigkeit 1965 waren die Malediven britisches Protektorat. 1968 wurde das Sultanat abgeschafft und die Republik ausgerufen, die dem britischen Commonwealth angehört. In der Hauptstadt Malé fand 1989 eine internationale Konferenz wegen der Bedrohung der Inseln durch den steigenden Meeresspiegel statt. (APA/AFP/dpa)
aktualisiert: Di, 07.02.2012 12:50



