Völkermord-Prozess gegen Mladic – Erster Tag vorzeitig beendet
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Beim Betreten des Gerichtssaales zeigte Mladic die erhobenen Daumen, klatschte in die Hände und winkte seinen Anhängern zu.
Foto: REUTERS
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Den Haag – Der erste Tag im Prozess gegen den serbischen General Ratko Mladic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermordes ist am Mittwoch nach mehr als vier Stunden vorzeitig beendet worden. Die Verlesung der Anklage habe weniger Zeit als geplant in Anspruch genommen, sagte der Vorsitzende Richter, Alphons Orie. Das Verfahren soll Donnerstagfrüh fortgesetzt werden. Dann werde die Staatsanwaltschaft ihren Vortrag abschließen.
Die ersten Zeugen werden voraussichtlich ab 29. Mai einvernommen. Erste ausführliche Äußerungen des 70 Jahre alten Angeklagten sowie seiner Verteidiger sind erst für einen späteren Zeitpunkt des Verfahrens geplant.
Mladic hat sich in elf Anklagepunkten für Völkermord in der ehemaligen bosniakischen (muslimischen) Enklave Srebrenica und in einigen anderen Gemeinden, für die Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstöße gegen die Gepflogenheiten der Kriegsführung zu verteidigen.
Beim Betreten des Gerichtssaales zeigte der frühere bosnisch-serbische Armeechef die erhobenen Daumen, klatschte in die Hände und winkte seinen Anhängern zu.
Detaillierte Schilderungen der Massaker
Mladic habe „die ethnische Säuberung in Bosnien“ selbst in die Hand genommen, sagte Ankläger Dermot Groome zum Prozessauftakt. Er schilderte detailliert den Mord an 140 Männern im zentralbosnischen Dorf Vecici im November 1992. Über die Ereignisse soll der erste Zeuge der Anklage, Elvedin Pasic, berichten, der zu jenem Zeitpunkt, als sein Vater, Onkel und andere Männer ermordet wurden, erst 14 Jahre alt war.
Daraufhin berichtete Groome über den Mord an Dino Salihovic, einem Jugendlichen, der wie mehrere tausend Männer aus Srebrenica von bosnisch-serbischen Truppen im Juli 1995 ermordet wurde. Die Erschießung von Salihovic durch die berüchtigte serbische Einheit „Skorpione“ erfolgte in der Ortschaft Trnovo und wurde von einem der Teilnehmer aufgenommen. Groome berichtete auch über einen der zwei bosnisch-serbische Angriffe auf den Gemüsemarkt Markale in Sarajevo, bei dem im August 1995 37 Personen getötet und 90 verletzt wurden.
Die Führung der bosnischen Serben hat vor zwei Jahrzehnten mit dem Angriff auf ihre Landsleute begonnen. Zivilisten und ihr Land wurden in koordinierten Angriffen befallen. An einigen Stellen wurde dieser Angriff in den Völkermord verwandelt, so Groome. Vor gerade vier Tagen war es zwei Jahrzehnte her, als Mladic zum Befehlshaber der bosnisch-serbischen Truppen wurde. Am selben Tag begann Mladic an dem laufenden verbrecherischen Vorhaben, das bereits im Gange war, teilzunehmen.
Mladic wirkt gesund und ausgeruht
Mladic verfolgte die Verlesung der Anklage nahezu regungslos. Der 70-Jährige, der bei seiner Verhaftung vor einem Jahr schwer krank war, wirkte gesund und ausgeruht. Von Zeit zu Zeit verzog er abschätzig den Mund und spielte mit seiner Lesebrille, die er pausenlos auf- und absetzte. Bei Anhörungen vor dem Prozess hatte er sich nicht ausführlich zur Anklage geäußert, diese aber als „monströs und ekelhaft“ bezeichnet.
Die Anklage gegen Mladic ist mit jener identisch, aufgrund der schon seit gut zwei Jahren ein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten der Republika Srpska, Radovan Karadzic, läuft. In diesem Prozess wurde kürzlich das Beweisverfahren abgeschlossen.
Der Prozessbeginn wurde in Bosnien von TV-Sendern in beiden Landesteilen direkt übertragen. Vertreter mehrerer Kriegsopferverbände, darunter der „Mütter von Srebrenica“ haben sich am Mittwoch früh vor dem Gebäude des Haager Tribunals versammelt, um an die schweren Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen.
Mladic wurde nach 16-jähriger Flucht im Mai 2011 im Dorf Lazarevo in der nordserbischen Provinz Vojvodina gefasst. (TT.com, APA)
aktualisiert: Mi, 16.05.2012 14:43



