26.07.2012, 09:24  Aktualisiert: 26.07.2012, 13:45 
60. Todestag von Eva Perón

Kleiner Wildfang aus der Provinz wird zu Argentiniens Nationalheldin

Auch 60 Jahre nach ihrem Tod ist Eva Perón für viele Argentinier noch immer ein Idol.

Buenos Aires – Bannerträgerin der Armen, spirituelle Chefin der Nation, für manche sogar eine Heilige - Eva Duarte de Perón (1919-1952) wiegt noch schwer in der argentinischen Geschichte. Ihr Mythos ist vor allem bei den armen Argentiniern und den Perónisten ungebrochen.

Zum 60. Todestag mit 100-Peso-Banknote geehrt

Perón, die in Argentinien als Volksheldin gefeiert wird, ist 60 Jahre nach ihrem Tod mit einer Banknote im Wert von 100 Peso (18 Euro) geehrt worden.

Der Geldschein zeigt Evita, wie sie in ihrer Heimat genannt wird, im Profil, die blonden Haare zu dem für sie typischen Knoten zusammengeschlungen.

Neuauflage am Broadway

Auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ist Evita noch immer präsent. Derzeit spielt Sänger Ricky Martin in einer Neuauflage des Webber-Musicals am New Yorker Broadway den Part des Revolutionärs Ernesto „Che“ Guevara. Die Titelrolle der argentinischen First Lady übernimmt die argentinische Schauspielerin Elena Roger, die in diesem Part bereits in London brillierte.

Die zweite Ehefrau des argentinischen Präsidenten Juan Domingo Perón wurde in der Kunstwelt bereits vielfach zum Thema gemacht: Evita - ihr Kosename - ist heute zur eigenen Marke geworden.

Filme und Webber-Musical erinnern an Evita

Ihr Leben wurde mehrfach verfilmt, etwa von Eduardo Mignona (1984) und Juan Carlos Desanzo (1996) oder Alan Parkers „Evita“ mit Madonna in der Hauptrolle (ebenfalls 1996). Die Singleauskopplung „Don‘t Cry For Me Argentina“ aus dem Musical von Andrew Lloyd Webber war 1977 ein Nummer-Eins-Hit in Großbritannien. Künstler wie Tom Jones, Richard Clayderman, Sinead O‘Connor, Sarah Brightman oder Stefan Mross haben den Song in den vergangenen dreißig Jahren gecovert.

Das Musical ist seither auf unzähligen Bühnen wieder gespielt worden. 2005 fand es sich auch am Spielplan des Tiroler Landestheaters wieder und sorgte für Furore und eine Wiederaufnahme.

Auch einen Zeichentrickfilm gibt es seit rund einem Jahr. „Die Geschichte Eva Peróns wurde schon oft erzählt. Wie soll man sie erzählen? Die Wahl des Zeichentrickfilms hat uns erlaubt, eine Metapher zu verwenden, um über die Leidenschaft, die Treue, den Hass, die Rache und das politische Engagement zu sprechen, die sie auszeichneten und deren Objekt sie auch wurde“, sagte die Regisseurin Maria Seoane im Oktober 2011 bei der Vorstellung des Projektes in Buenos Aires.

Als Model zur Nationalheldin

Dabei ist das Leben der Eva Perón nur zwischen 1943 und ihrem Todesjahr 1952 wirklich dokumentiert, alles andere stammt von Erzählungen anderer Personen. Im Dorf Los Toldos verbrachte Evita als uneheliche Proletariertochter ihre Kindheit.

Perón kam mit 15 Jahren nach Buenos Aires, wo sie als Model und Radiomoderatorin arbeitete. Später folgte die Ausbildung zur Filmschauspielerin. Mit Hilfe ihrer Liebhaber und ihrer Wirkung auf die Volksmassen hatte sich Eva auf der Karriereleiter bis zur Spitze empor gehantelt.

1945 heiratete sie Oberst Juan Domingo Perón, damals Staatssekretär für Arbeit und Soziales unter einer Militärdiktatur und von Eva im darauf folgenden Präsidentschaftswahlkampf massiv unterstützt. An der Seite des Politidols war die junge Eva Perón zu einer Nationalheldin geworden.

Evita spaltet Nation

Als erste Frau in unmittelbarere Nähe zur politischen Spitze beeinflusste sie maßgeblich das Selbstverständnis der Frauen der lateinamerikanischen Gesellschaft. Evita entzweite aber auch das Volk. Für die einen war sie Vorkämpferin für die Rechte der Armen, für die anderen ein Emporkömmling, der die Unterstützung der Arbeitermassen für ihren Mann durch billige Geschenke erkaufte.

Die selbst ernannte Anwältin der „hemdlosen“ Tagelöhner hüllte sich in sündhaft teure Kleider aus Paris. Neben dem sozialrevolutionären Pathos stand eine konservative und autoritäre Lebenshaltung. Noch heute haben zwei Argentinier mindestens vier verschiedene Meinungen über den Perónismus.

Mit 33 Jahren Krebsleiden erlegen

„Um 20.25 Uhr ist Eva Perón, die geistige Führerin des Staates, in die Unsterblichkeit eingegangen“. Mit diesen pathetischen Worten verbreitete die argentinische Regierung am 26. Juli 1952 die Nachricht vom frühen Tod der wohl berühmtesten Frau Lateinamerikas des 20. Jahrhunderts. Sie war mit 33 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Nach ihrem frühen Tod wurde ihre Leiche wochenlang öffentlich aufgebahrt, damit hunderttausende Trauernde von ihr Abschied nehmen konnten. Nach dem Sturz ihres Ehemannes 1955 befürchtete die neue Militärführung einen Evita-Kult und ließ die Leiche heimlich nach Italien bringen. 1971 wurde sie Juan Perón übergeben, der sich in Spanien im Exil aufhielt. Er kehrte jedoch kurz darauf nach Argentinien zurück und übernahm bis zu seinem Tod das Präsidentamt.

Weitgereister Leichnam

Seine dritte Ehefrau Isabel ließ den Sarg von Evita nach Hause holen und im Präsidentenpalast neben Juan Perón bestatten. Nachdem auch sie 1976 bei einem Militärputsch gestürzt worden war, übergaben die neuen Machthaber die Särge in aller Stille ihren Familien, die sie in den Familienkrypten beisetzten. Dort ruht Eva Perón bis heute, und ihre Familie weigert sich, einer Umbestattung zuzustimmen. (tt.com/dpa/AP/APA/sda/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 26.07.2012  09:24
aktualisiert: Do, 26.07.2012  13:45
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