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New York

Neue Stiefel für Obdachlosen: Polizist wird zum Facebook-Held

Als Lawrence Deprimo den Mann mit den nackten Füßen am Times Square sah, ging er einfach los und kaufte ihm ein paar neue Schuhe. Im Internet wird der New Yorker Polizist als Held gefeiert.

New York – In einer klirrend kalten Novembernacht begegnet ein junger New Yorker Polizist am Times Square einem Obdachlosen. Barfuß sitzt der ältere Mann am Straßenrand. Die Männer sprechen kurz, der Polizist geht weg. Nur Momente später kommt Lawrence Deprimo zurück - mit einem Paar Socken und nagelneuen Stiefeln für den Unbekannten. Der 25-Jährige kniet sich neben den Fremden und hilft ihm in seine Schuhe.

Normalerweise wäre diese Szene wohl völlig unbemerkt geblieben, hätte nicht eine Touristin den Moment mit ihrem Handy festgehalten. Das Bild hat sie an die New Yorker Polizei geschickt, die es auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hat. Binnen Stunden verbreitet sich das Foto im Sozialen Netzwerk - und der Polizist wird zum Helden. Rund zwei Millionen Menschen haben es inzwischen gesehen.

Officer Lawrence Deprimo ist von der Aufmerksamkeit völlig überrascht. Er hatte nicht gewusst, das sein Bild veröffentlicht worden ist. An die Begegnung am 14. November kann er sich aber noch gut erinnern. „Es war eiskalt und man konnte die Blasen an seinen Füßen sehen“, wird der Polizist von der New York Times zitiert. „Ich hatte zwei Paar Socken an und habe immer noch gefroren.“ Er sei mit dem Obdachlosen, dessen Namen er nicht erfahren hat, ins Gespräch gekommen - und hat seine Schuhgröße herausgefunden.

Die Schuhe ließen den Obdachlosen strahlen

Auf seinen Fersen ist der Mann langsam weitergegangen. Der Polizist geht kurzerhand ins nächste Schuhgeschäft.

„Wir waren ein bisschen geschockt“, schildert einer der Angestellten des Ladens. „Wir New Yorker gehen meistens einfach an solchen Situationen vorbei. Vor allem in Gegenden wie hier.“ Er bietet Officer Deprimo aber seinen Angestelltenrabatt an. Damit kosten die Stiefel nur noch 75 statt 100 Dollar. Der Polizist, der mit seinen Eltern auf Long Island lebt, trägt die Rechnung noch immer in seiner Tasche, „um sich daran zu erinnern, dass manche schlechter dran sind.“

Die New York Times hat sich am Mittwoch auf die Suche nach dem Obdachlosen gemacht, ihn aber nicht gefunden. „Er war der höflichste Mann, den ich getroffen habe“, erinnert sich Lawrence Deprimo. Beim Anblick der Stiefel habe er über das ganze Gesicht gestrahlt. „Sobald er sie anhatte, ging er weg - und ich kehrte auf meinen Posten zurück.“ (tt.com)