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Krieg in Mali

Französische Bodenoffensive: „Wir werden binnen Stunden kämpfen“

Frankreich führt seine Bodentruppen in einen Krieg mit ungewissem Ausgang. Der Beginn der Kämpfe am Boden steht unmittelbar bevor. Der Angriff auf die von Islamisten besetzte Stadt Diabali könnte der Auftakt für einen langes, blutiges Engagement der Franzosen in Mali sein.

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Paris, Bamako – Französische Bodentruppen sind auf dem Vormarsch in den von islamistischen Rebellen kontrollierten Norden Malis. 30 gepanzerte Fahrzeuge befinden sich auf dem Vormarsch nach Diabali. Die Stadt ist von Islamisten besetzt und soll befreit werden. Generalstabschef Edouard Guillaud erklärte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP: „Wir werden binnen Stunden kämpfen“, französische Soldaten würden schon sehr bald auf islamistische Truppen treffen.

Das Vordringen der Franzosen in den Norden des Landes gilt als Auftakt der Bodenoffensive – und möglicherweise als Beginn eines ungewissen, langen und blutigenKampfes.

„Es ist klar, dass dieser Krieg lange dauern wird und das französische Engagement von Dauer sein wird“, kündigte der französische General Vincent Desportes am Mittwoch an. Experten gehen davon aus, dass die Rückeroberung des nördlichen Landesteils Malis mehrere Monate dauern werde.

Der nun auf dem Vormarsch befindliche Trupp habe bisher die Hauptstadt Bamako gesichert, die Menschen dort, Franzosen und EU-Bürger, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch dem französischen Sender RTL. 300 französische und malische Soldaten seien auf dem Weg nach Diabali, das rund 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt liegt.

Frankreich glaubt an Unterstützung

Der französische Präsident François Hollande rechnet mit einer baldigen Unterstützung der in Mali kämpfenden Einheiten Frankreichs durch andere Nationen.

„Frankreich war das erste Land, wird aber nicht mehr lange allein sein“, sagte Hollande ebenfalls am Mittwoch in Paris. Der Staatschef verteidigte erneut seine Entscheidung für den französischen Militäreinsatz gegen islamistische Rebellen in dem westafrikanischen Land. „Die Entscheidung war notwendig und rechtmäßig“, sagte der Staatschef. Frankreich habe keine weiteren Interessen in Mali, es gehe lediglich um den Frieden.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass Frankreich von Deutschland logistisch unterstützt wird. Deutschland wird nach den Worten der Bundeskanzlerin Angela Merkel „sehr kurzfristig“ zwei Bundeswehr-Transportflugzeuge für den internationalen Militäreinsatz in Mali zur Verfügung stellen. „Ich glaube, dass wir hier unter einem sehr hohen Zeitdruck stehen“, sagte die Kanzlerin nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, am Mittwoch in Berlin. „Der Terrorismus in Mali ist nicht nur eine Bedrohung für Afrika, sondern auch eine Bedrohung für Europa.“

Nigeria schickt 900 Mann

Nigeria stellt ebenfalls Hilfe Bereit. Ein Kontingent von 900 Soldaten werde entsendet. Dies teilte das nigerianische Verteidigungsministerium am Mittwoch in Abuja mit. Generalmajor Shehu U Abdulkadir werde die nigerianischen Truppen führen.

Das Ministerium rechnet bei dem Mali-Einsatz auch mit Militäreinheiten aus Benin, Ghana, Niger, Senegal, Guinea, Burkina Faso and Togo. Bereits jetzt befänden sich nigerianische Truppen in Mali, hatte Oberst Mohammed Yerima am Dienstag mitgeteilt. Die militärische Hilfe aus Nigeria schließe technische Unterstützung und den Einsatz der Luftwaffe ein. (paco)

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