Archiv

Letztes Update am AGT-APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Sex mit Zwillingen: Vaterschaft bleibt in Deutschland ungeklärt

Gericht: Weder Zeugenaussagen noch wissenschaftliche Untersuchungen brächten ausreichende Klarheit.

Karlsruhe - Eine Frau hat mit eineiigen Zwillingen Sex und bekommt ein Kind - wer ist der Vater? Während sich der Oberste Gerichtshof (OGH) in Österreich diesbezüglich festlegte und die Entscheidung traf, dass automatisch der Beklagte der Vater ist, scheint die Situation in Deutschland eine andere: Ein mittlerweile 14-jähriger Kläger scheiterte mit einer Vaterschaftsklage vor dem Oberlandesgericht Celle. Begründung: Wer von den beiden Männern der Vater sei, lasse sich juristisch und wissenschaftlich nicht klären.

Eine DNA-Analyse oder andere erprobte Verfahren brächten in einem solchen Fall nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine ausreichende Klärung, hieß es vom Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Nach jahrelangem Rechtsstreit steht dem Kläger noch der Gang zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe offen.

„Ich bedauere die Situation des Klägers“, sagte OLG-Sprecher Götz Wettich. „Für ihn ist die Entscheidung im Ergebnis sicher unbefriedigend.“ Mit der Entscheidung habe auch der Landkreis Hameln-Pyrmont, der für die Eltern mit sehr aufwendigen Sozialleistungen eingesprungen sei, nun bis auf Weiteres keinen Kindesvater, bei dem er sich das Geld zurückholen könne. „Aber Gerichtsverfahren bieten keinen Raum für experimentelle Grundlagenforschung“, erklärte Wettich.

Anders als in erster Instanz das Amtsgericht entschieden die Richter in Celle, dass weder Zeugenaussagen noch wissenschaftliche Untersuchungen ausreichende Klarheit bringen würden. Fünf Gutachten hätten festgestellt, dass kein erprobtes Verfahren zur Feststellung der Vaterschaft bei eineiigen Zwillingen existiere. Auch deshalb hätten die Brüder die Abgabe einer Spermaprobe verweigern können.

Der sogenannte Zwillingsfall beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Zunächst war der Landkreis Hameln-Pyrmont vor dem Oberlandesgericht gescheitert, doch hob das Bundesverfassungsgericht das Urteil im September 2010 auf. Jeder Mensch habe das Recht, Kenntnis über seine Abstammung zu erlangen, entschieden die Richter in Karlsruhe. (APA/dpa)