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Beben im Pazifik

Nach Tsunami auf den Salmonen: Opfer nur schwer zu erreichen

Mehr als 3000 Obdachlose sind nach dem Tsunami auf den Salomonen auf Hilfe angewiesen. Doch das Katastrophengebiet ist nur schwer erreichbar.

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Honiara – Nach dem schweren Erdbeben und dem anschließenden Tsunami auf den Salomonen haben Hilfsmannschaften Schwierigkeiten gehabt, die betroffenen Gebiete zu erreichen. Die Abgelegenheit des Erdbeben- und Tsunamigebietes etwa 600 Kilometer von der Hauptstadt Honiara entfernt erschwere die Hilfsarbeiten, teilte das Rote Kreuz am Donnerstag mit. Laut offiziellen Angaben wurden durch die Katastrophe rund 3000 Menschen obdachlos, mindestens sechs Menschen starben. In unbestätigten Berichten war von neun Todesopfern die Rede.

„Es deutet sich an, dass die Zahl der Todesopfer steigen wird“, sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes. Der Flughafen der betroffenen Insel Ndende im Osten der Salomonen sei gesperrt, da die Landebahn mit Trümmern übersät sei, sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sipulu Rove, der Nachrichtenagentur AFP. Wahrscheinlich werde er am Freitag wieder in Betrieb genommen. Boote mit Hilfsgütern und Einsatzteams sollten am Donnerstag losgeschickt werden, sie dürften die Katastrophengebiete aber erst am Wochenende erreichen.

„Schwer, an Information zu kommen“

„Von einigen entlegenen Ortschaften haben wir noch nichts gehört, es ist sehr schwer, an Informationen ranzukommen“, fügte Rove hinzu. Die Behörden versuchten demnach, Einzelheiten zur Lage in den Erdbeben- und Tsunamigebieten in Erfahrung zu bringen. Weil die Telekommunikation gestört und teils zusammengebrochen sei und einige Straßen durch Erdrutsche verschüttet worden seien, könne dies aber mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Das Erdbeben der Stärke 8,0 hatte sich am Mittwochmorgen nahe den zu den Salomonen gehörenden Santa-Cruz-Inseln ereignet. Anschließend erreichte eine Flutwelle die Salomonen, die auf Ndende 500 Meter weit ins Landesinnere rollte. Auch in Vanuatu und Neukaledonien stieg der Meeresspiegel an. Mehr als 40 Nachbeben erschütterten die Inseln.

„Knietief im Wasser“

Den Behörden der Salomonen zufolge zerstörten Erdbeben und Flutwelle etwa 460 Häuser, so dass rund 3000 Menschen obdachlos seien. „Ich laufe gerade durch eine der Ortschaften, und ich stehe knietief im Wasser“, sagte der Notfallkoordinator der Hilfsorganisation World Vision, Jeremiah Tabua. „Ich kann eine Reihe von Häusern sehen, die weggespült wurden.“ In der Stadt Venga wurden laut Word Vision die Häuser durch die Flutwelle meterweit fortgeschwemmt worden, im Dorf Nela seien 95 Prozent der Behausungen zerstört worden.

2007 waren auf den Salomonen bei einem Tsunami infolge eines schweren Erdbebens mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Tausende wurden obdachlos. Die Inselgruppe liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, auf dem die Erde wegen der Reibung tektonischer Platten immer wieder stark bebt.

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