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Stationen des Papstes

Geliebt, verehrt und viel kritisiert: Das Wirken von Benedikt XVI.

Von der Regensburger Rede bis zur Vatileaks-Affäre: Die bewegte Amtszeit und wichtigsten Stationen des Papstes.

Vatikanstadt – Papst Benedikt XVI. hat in seiner fast achtjährigen Amtszeit Höhen und Tiefen erlebt. Hier die wichtigsten Etappen seines Pontifikats, das am 19. April 2005 begonnen hat.

August 2005: Die erste Reise als Papst führt Benedikt nach Deutschland. Auf dem XX. Weltjugendtag in Köln ruft er junge Menschen aus aller Welt zu Güte und Barmherzigkeit auf. Mit einer Million Pilgern feiert er auf dem Marienfeld die Messe.

November 2005: Ein vom Papst unterzeichnetes Dokument verpflichtet Priesterseminare, Männer mit „homosexuellen Tendenzen“ nicht mehr zur Priesterweihe zuzulassen. Internationale Schwulen-und Lesbenverbände kritisieren den Schritt als „fatales Signal“.

Jänner 2006: In seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ (Gott ist Liebe) hebt der Papst die Bedeutung der christliche Nächstenliebe hervor.

Mai 2006: Mit Jubel empfangen ihn Zehntausende Menschen bei einem Besuch in Polen. In Auschwitz ruft er zu Vergebung und Versöhnung auf.

September 2006: Bei einer Vorlesung in Regensburg zitiert der Papst den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos, der islamische Prophet Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht. In der islamischen Welt erzeugt dies heftige, teils gewalttätige Proteste.

November 2006: In der Türkei zeigt der Papst eine Geste der Versöhnung: Bei seiner ersten Reise in ein islamisches Land betet er in der Blauen Moschee von Istanbul gemeinsam mit dem Großmufti.

Juli 2007: Protestantische Gemeinschaften sind empört, als die Glaubenskongregation in einer Erklärung die katholische Lehre unterstreicht, nach der sich nur christliche Gemeinschaften mit gültiger Bischofs- und Priesterweihe als „Kirchen“ bezeichnen können.

November 2007: In seiner zweiten Enzyklika „Spe salvi“ (Gerettet durch Hoffnung) spricht sich Benedikt gegen materialistische Weltanschauungen aus.

Jänner 2009: Durch die Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners Richard Williamson löst der Papst Kritik aus. Insgesamt nimmt er vier Bischöfe der 1988 abgespaltenen Pius-Bruderschaft wieder in die Kirchengemeinschaft auf.

März 2009: Mit der Äußerung auf seiner Afrika-Reise, Kondome verschlimmerten das Aids-Problem in Afrika, stößt der Papst auf Empörung.

Juli 2009: In seiner dritten Enzyklika „Caritas in veritate“ (Die Liebe in der Wahrheit) plädiert er für mehr ethisches Bewusstsein in der Wirtschafts- und Finanzwelt.

März 2010: In seinem Hirtenbrief an die irische Kirche bedauert Benedikt den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche. Er drückt „die Schande und Reue aus, die wir alle fühlen“.

Mai 2010: Benedikt XVI. feiert die Seligsprechung seines Vorgängers Johannes Paul II. bei einer Zeremonie, an der sich eine Million Pilgern beteiligen.

September 2010: Der Papst trifft den Erzbischof von Canterbury Rowan Williams in London. Er ist somit der erste Papst, der sich an die anglikanischen Bischöfe wendet, die im Lamperth Palace vereint sind.

Oktober 2011; Benedikt XVI. erlässt das Apostolische Schreiben in Form eines Motu Proprio Porta fidei (Pforte des Glaubens), in dem er ein Jahr des Glaubens ankündigt. Es beginnt am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils, und endet am Christkönigsfest 2013, 24. November 2013.

Mai 2012: Die sogenannte Vatileaks-Affäre erschüttert den Vatikan. Der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, wird mit dem Vorwurf verhaftet, vertraute Dokumente des Papstes an einen Journalisten weitergegeben zu haben. Gabriele verbringt fast zwei Monate in Untersuchungshaft und wird im Oktober 2012 zu 18 Monate Haft verurteilt. Vor Weihnachten 2012 wird er vom Papst begnadigt.

September 2012: Der Papst reist in den Libanon. Hier trifft er mit Vertretern von 18 christlichen und muslimischen Gemeinschaften zusammen. Überschattet wird die Reise vom nahen Bürgerkrieg in Syrien und von antiwestlichen Ausschreitungen im Nahen Osten anlässlich des in den USA produzierten Videofilms Innocence of Muslims. (APA)