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Bürgerkrieg in Syrien

Schwerer Zwischenfall mit vielen Toten an türkisch-syrischer Grenze

Viele Tote und mindestens 30 Verletzte forderte am Montag ein Anschlag mit einer Autobombe an der türkisch-syrischen Grenze.

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Damaskus, Ankara – Beim schwersten Zwischenfall an einem türkisch-syrischen Grenzübergang seit dem Beginn des Aufstandes in dem arabischen Land sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Die Explosion einer Autobombe habe auch etwa 30 Menschen verletzt, berichteten türkische Fernsehsender unter Berufung auf die Behörden am Montag. Unter den Toten waren nach neuen Angaben der Behörden mindestens drei Türken. Der Sprengsatz sei in einem Fahrzeug mit syrischem Kennzeichen im Niemandsland vor den Gebäuden der türkischen Zöllner des Grenzübergangs Cilvegozu detoniert. In dem Bereich werden Hilfsgüter für die syrische Bevölkerung abgefertigt.

„Ich habe selbst 25 Verletzte gesehen und mehrere Tote“, sagte ein dort arbeitender syrischer Aktivist der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul. Bilder zeigten beschädigte Gebäude und mehrere ausgebrannte Fahrzeuge.

Zu möglichen Hintergründen gab es von türkischer Seite zunächst keine Angaben. In der Türkei waren in den vergangenen Monaten immer wieder Granaten aus Syrien eingeschlagen. Die Türkei reagierte mehrfach mit Artilleriefeuer.

Treffen der Kriegsparteien?

Die Arabische Liga will ein Treffen zwischen dem syrischen Vizepräsidenten Faruk al-Sharaa und der Opposition organisieren. Das berichtete die arabische Tageszeitung „Al-Sharq Al-Awsat“. Ihren Informationen zufolge wurde dies bei einem Treffen von Liga-Generalsekretär Nabil al-Arabi und dem UN-Syrienvermittler Lakhdar Brahimi am Sonntag in Kairo besprochen.

Der Vorsitzende der oppositionellen Nationalen Syrischen Koalition, Ahmed Moaz al-Khatib (Chatib), betonte jedoch am Montag vor Reportern in Kairo, das Regime habe auf seinen Vorschlag für einen Dialog bislang offiziell nicht reagiert. Al-Khatib hatte im vergangenen Jänner viel Kritik aus den eigenen Reihen kassiert, als er vorgeschlagen hatte, direkt mit Vertretern des Regimes von Präsident Bashar al-Assad zu reden, um das seit 2011 andauernde Blutvergießen zu beenden.

Freilassung von Gefangenen als Bedingung

Nachdem das Regime mehrfach vorgeschlagen hatte, ein Treffen mit der Exil-Opposition in Damaskus zu organisieren, schlug Al-Khatib jetzt vor, das Treffen könne im „befreiten“ Norden Syriens stattfinden. Teile des Nordens werden inzwischen von Brigaden der Rebellen kontrolliert.

Als Bedingungen für einen Dialog hatte Al-Khatib die Freilassung von 160.000 Gefangenen sowie die Verlängerung der Pässe der im Ausland lebenden Syrer durch die Konsulate gefordert.

Unterstützer des Regimes riefen unterdessen für Dienstag zu einer Pro-Assad-Kundgebung auf dem Sabaa-Baharat-Platz in Damaskus auf. Der ehemalige syrische Ministerpräsident Riad Hijab sagte am Montag nach einem Treffen mit dem ägyptischen Außenminister Mohammed Amr in Kairo, er habe Angst vor einem Auseinanderbrechen des syrischen Staates. „Es kann keine politische Lösung ohne den Rücktritt von Assad geben“, fügte er hinzu.

Am Montag kamen bei Kämpfen, Razzien und durch Folter in den Gefängnissen nach Angaben von Regimegegnern 66 Menschen ums Leben, darunter 20 Deserteure der Freien Syrischen Armee (FSA) und 10 Kinder. Am Vortag hatte die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter 120 Tote gezählt. (dpa)

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