Tiroler Ärzte in Nepal
Von Rudolf Nagiller
Simikot – Simikot heißt das Nest, hingeklebt am Himalaja im Nordwesten Nepals, rundherum nichts als steile Flanken, die bis auf 7000 Meter hinaufweisen. Keine löchrigen Straßen, keine klapprigen Autos, keine Rikschas, alles geht zu Fuß. Lasten werden von Mensch und Tier getragen. Ab der letzten Autostraße würden die sechs Ärzte zehn Tage marschieren müssen. Das packen sie nicht, also fliegen sie mit einer kleinen Maschine hinauf. Nach einer Stunde landen sie unsanft auf einer kurzen Piste mitten im Ort.
Die Ärzte gehören zum kleinen Medizinerverein „Nepal Trust Austria“, eine Gründung des Wiener Exiltirolers Eduard Frosch. Seit einem Jahrzehnt schickt der Verein Ärzte und Schwestern nach Simikot. Von der nepalesischen Regierung gibt es nur eine Art Hilfsmediziner, tüchtige Handwerker auf Sanitäterniveau. Klar, dass die Österreicher willkommen sind.
Sechs sind es diesmal: darunter zum wiederholten Mal die Chirurgin Alice Markl vom Krankenhaus Hall und zum ersten Mal der Anästhesist Wolfgang Lederer von der Uni-Klinik Innsbruck. Sie tun alles, was in einer so ausgesetzten Lage getan werden kann: zum Beispiel seit Wochen oder Monaten verschleppte Verletzungen operieren. Manche Patienten haben einen Tagesmarsch oder mehr hinter sich, wenn sie das erreichen, was hier Hospital genannt wird.
Projektleiter ist ein anderer Exil-Tiroler: der pensionierte Frauenarzt Alfred Bichler, der seit 25 Jahren in Bad Ischl lebt. Er versucht etwas für hier Unbekanntes einzuführen: Schwangerenvorsorge. Etwa mit einem tragbaren Ultraschallgerät, auf das er Hebamme Sarita eingeschult hat. Würde sie damit Geburtskomplikationen voraussehen, könnte sie versuchen, die Schwangere in ein Krankenhaus auszufliegen. „Das kann Leben retten“, sagt der Doktor – „Leben von Frauen und Kindern.“
In den Gesprächen fragen sich die Ärzte: Hilft ihr Helfen wirklich? Schließlich sieht man die Dritte-Welt-Hilfe heute nicht mehr so naiv wie früher. Ihr Fazit: ja, weil hier ganz konkreten Menschen konkret geholfen wird. Wir kennen ihre Namen.



