17.06.2011
Österreich

Hashitate – die kopierte Idylle

Das chinesische Hallstatt wird größer sein als das Original, aber „sicher nicht so schön“.

Von Bernhard Bartsch

Peking – In China versteht man nicht, warum sich die Hallstätter darüber ärgern, dass im Reich der Mitte eine Kopie der Weltkulturerbe-Stadt entsteht. „Unser Unternehmen­ hat bereits Bauprojekte im deutschen,­ spanischen, britischen und italienischen Stil. Dies ist unser erstes öster­reichisches“, sagt Yin Liang,­ Vize­chef der Immobilienfirma des Minenkonzerns Wukuang mit 50.000 Arbeitern.

Nachbauten von europäischen Architekturstilen als Wohnanlagen für Reiche liegen in China im Trend. „Hashi­tate“, wie Hallstatt auf Chinesisch heißt, hat dementsprechend prominente Vorgänger. Schon vor zehn Jahren ließ ein Immobilienunternehmer in Peking­ das bei Paris­ gelegene Chateau de Maisons-Laffitte nachbauen.­ Das Schloss, das als Hotel dient, ist das Herzstück einer großen Villensiedlung, deren Stil an französische Landhäuser­ erinnert. In Shanghai gibt es die „German Town Anting”, eine deutsche Kleinstadt im Bauhaus-Stil inklusive Statuen von Goethe und Schiller. Wenige Kilometer entfernt steht „Thames Town“, eine englische Stadtkopie mit roten Telefonhäuschen, einer Churchill-Statue und Pubs.

Der Zweck der ausländischen­ Anleihen ist stets der gleiche: Kopien westlicher Städte genießen das Image, lebenswerter und individueller zu sein als die anonyme Einheits­architektur, die heute­ Chinas Großstädte prägt. Wohlhabende Chinesen geben gerne Geld für ein Haus aus, das auch als Status­symbol dienen kann.

In der Hallstatt-Kopie sollen­ Villen, Doppelhaushälften und Wohnungen, aber auch Kaufhäuser und ein Hotel gebaut werden. Der Grundstein wurde im April gelegt. Kosten werde das Ganze 645 Mio. Euro,­ erklärt Yin.

Doch allzu authentisch kann die Kopie ohnehin nicht werden, beruhigen die Chinesen. Nicht nur, weil es in Boluo keine­ hohen Berge gibt, sondern auch, weil das Unternehmen­ weitaus mehr Menschen ansiedeln will. „Es ist ein sehr großes Projekt, aber so schön wie in Österreich kann Hallstatt bei uns sicher nicht werden“,­ sagte eine­ Angestellte von Boluos Planungsbüro im Gespräch mit der TT.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 17.06.2011
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