Hashitate – die kopierte Idylle
Von Bernhard Bartsch
Peking – In China versteht man nicht, warum sich die Hallstätter darüber ärgern, dass im Reich der Mitte eine Kopie der Weltkulturerbe-Stadt entsteht. „Unser Unternehmen hat bereits Bauprojekte im deutschen, spanischen, britischen und italienischen Stil. Dies ist unser erstes österreichisches“, sagt Yin Liang, Vizechef der Immobilienfirma des Minenkonzerns Wukuang mit 50.000 Arbeitern.
Nachbauten von europäischen Architekturstilen als Wohnanlagen für Reiche liegen in China im Trend. „Hashitate“, wie Hallstatt auf Chinesisch heißt, hat dementsprechend prominente Vorgänger. Schon vor zehn Jahren ließ ein Immobilienunternehmer in Peking das bei Paris gelegene Chateau de Maisons-Laffitte nachbauen. Das Schloss, das als Hotel dient, ist das Herzstück einer großen Villensiedlung, deren Stil an französische Landhäuser erinnert. In Shanghai gibt es die „German Town Anting”, eine deutsche Kleinstadt im Bauhaus-Stil inklusive Statuen von Goethe und Schiller. Wenige Kilometer entfernt steht „Thames Town“, eine englische Stadtkopie mit roten Telefonhäuschen, einer Churchill-Statue und Pubs.
Der Zweck der ausländischen Anleihen ist stets der gleiche: Kopien westlicher Städte genießen das Image, lebenswerter und individueller zu sein als die anonyme Einheitsarchitektur, die heute Chinas Großstädte prägt. Wohlhabende Chinesen geben gerne Geld für ein Haus aus, das auch als Statussymbol dienen kann.
In der Hallstatt-Kopie sollen Villen, Doppelhaushälften und Wohnungen, aber auch Kaufhäuser und ein Hotel gebaut werden. Der Grundstein wurde im April gelegt. Kosten werde das Ganze 645 Mio. Euro, erklärt Yin.
Doch allzu authentisch kann die Kopie ohnehin nicht werden, beruhigen die Chinesen. Nicht nur, weil es in Boluo keine hohen Berge gibt, sondern auch, weil das Unternehmen weitaus mehr Menschen ansiedeln will. „Es ist ein sehr großes Projekt, aber so schön wie in Österreich kann Hallstatt bei uns sicher nicht werden“, sagte eine Angestellte von Boluos Planungsbüro im Gespräch mit der TT.



