17.07.2010, 15:04  Aktualisiert: 16.02.2011, 10:21 
Unwetter in Tirol

Lage bleibt angespannt, Millionen-Schäden für Landwirtschaft

Auch heute stehen die Tiroler Feuerwehren infolge des Unwetters vom Samstag im Dauereinsatz. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen Wassermassen und Erdrutsche. Der Hagel verursachte mindestens zwei Millionen Euro Schaden für die Landwirtschaft.
Leserfotos vom Unwetter in Innsbruck, Mils und Hall. Fotos: Plattner, Hetfleisch, Fischler, Nigg, Entacher, Nothegger, Pirker-Sporn, Nairz, Toller, Stöger, Gamper, Schönpflug, Madlung, Nagele, Gstrein, Baldauf, Matha, Fuchs, Schatz, Winkler, Buckovez, Helmber, Holzer, Müller, Baumgartner, Blaas, Schneider, Trauner, Vill, Lorenzoni, Amberger, Keusch, Thomas Plattner, Mintscheff, Haid, Michaela Mair, Willburger, Manu Mair, Hanl, Krimbacher, Thaler
Mehr zum Thema
Video

Innsbuck – Als es am Samstagnachmittag zu tröpfeln begann, war das, was kurz darauf folgen sollte, nicht vorhersehbar. „Dass so ein Unwetter passieren kann, darauf war keiner vorbereitet“, meinte ein Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Hötting später, als er gerade im Saal 5 des Metropolkino einen Schlauch für die Wasserpumpe verlegte.

Binnen weniger Minuten schüttete es schließlich so heftig, dass laut dem Kommandanten der Berufsfeuerwehr Innsbruck, Josef Hundsbichler, das „Kanalnetz völlig überlastet“ war, wie er im Gespräch mit TT.com erklärte. „Der Inn ist nicht über die Ufer getreten“, sagte er. Der Grund dafür, dass in der Altstadt der Wasserpegel zum Teil auf über 60 Zentimeter stieg und Autos in der Reichenau durch Knie-hohes Wasser pflügten war schlicht zu viel Niederschlag in zu kurzer Zeit.

In zwei Minuten alles überflutet

Veronika Fritz, Mitarbeiterin in einem Souvenierladen in der Altstadt, der „knietief“ unter Wasser stand, meinte sichtlich geschockt zu TT.com: „In zwei Minuten war alles überflutet. Selbst wenn ich Säcke gehabt hätte – ich wäre zu spät dran gewesen.“ Die Rezeptionistin vom Goldenen Alder meinte: „Es ist ein richtiger Bach durch die Altstadt geflossen. Es war wie ein kleiner Weltuntergang.“

In den Platzregen mischte sich alsbald Hagel, der dann minutenlang heftig auf die Straßen, Dächer und Autos prasselte.

Im Stadtteil Hötting wurde die Höttinger Gasse zum reißenden Sturzbach – die Wassermassen strömten talwärts in Richtung Inn. Unten sorgte das Wasser dann für schwere Überflutungen in Kellern, aber auch im Metropolkino oder im In-Lokal Inn-Keller, der ebenfalls zentimetertief unter Wasser stand.

Kurzzeitig drohte sogar ein Netzausfall bei den Telefonen: Wasser war in die Zentrale der Telekom eingedrungen. Die Feuerwehren Igls und Innsbruck konnten aber Schlimmeres noch rechtzeitig verhindern. An der Inntalautobahn musste der Wiltener Tunnel vorübergehend gesperrt werden, weil das Wasser nicht abfloss.

Unwetter zogen weiter

Auch im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum richtete das Wasser Schäden an. Es drang von der Kanalisation in das Depot U2 des Museums, dort befinden sich die Bestände der Bibliothek. „Das Ausmaß des Schadens ist derzeit unklar“, hieß es gegen Abend in einer Aussendung. „Sämtliche Mitarbeiter sind zur Zeit im Einsatz, um die Schäden zu beseitigen. Die Bibliothek wird in den nächsten Tagen geschlossen sein.“

Während die Feuerwehren im Innsbrucker Stadtgebiet im Dauereinsatz waren, zogen die Unwetter weiter ins Unterland. Aus Hall, Mils und anderen Orten wurden der TT.com Bilder von Lesern gesendet – vielen Dank dafür! Auch dort tobten die Unwetter, es hagelte heftigst. Zahlreiche Wasserschäden wurden von der Landesleitstelle Tirol gemeldet.

Neue Regenfront vom Westen

Am späten Nachmittag erreichten Alarmierungen die Landesleitstelle aus fast allen Teilen Tirols. Landeck, Kappl, Ischgl und Umhausen waren bis kurz vor 18 Uhr von Überschwemmungen betroffen. Feuerwehren wurden aber auch etwa nach Jenbach, Bruck/Ziller oder Weer beordert. In Strengen mussten vier Häuser evakuiert werden, hieß es.

Außerdem musste die seit Freitag wieder befahrbare Paznauntalstraße nach weiteren Murenabgängen gesperrt werden. Zwischen Kappl und Galtür ging gar nichts mehr. Zwischen Wenns und St. Leonhard musste die Pitztalstraße für den Verkehr geschlossen werden.

Murenabgänge und Blitzeinschläge wurden später auch aus Osttirol gemeldet. In Prägraten gingen mehrere kleinräumige Schlammlawinen nieder. Das reißende Hochwasser des Dorferbaches unterspülte dort eine Straße und riss diese auf einer Länge von 20 Metern komplett weg.

Über 1000 Anrufe bei Feuerwehr

Auch am späteren Abend änderte sich nichts an der zum Teil prekären Unwettersituation in ganz Tirol. Die Einsatzkräfte waren die ganze Nacht und auch noch Sonntagfrüh damit beschäftigt mit den Folgen des Unwetters fertig zu werden.

Rund 1000 Anrufe aus der Bevölkerung gingen ein, weil Keller oder Garagen unter Wasser standen. Die Feuerwehr ist immer noch dabei, die Einsätze der Reihe nach abzuarbeiten.

Millionenschäden

Nach ersten Erhebungen durch die Sachverständigen hat der Hagel am Samstagnachmittag in einigen Gebieten Tirols teils massive Schäden an landwirtschaftlichen Flächen verursacht. Die Gesamthöhe beträgt mehr als 1,8 Million Euro, berichtete Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Betroffen sind vor allem Gemüse, Glashäuser, Grünland und Obst. Das Schadensgebiet erstreckt sich von Innsbruck bis Kitzbühel. (red)

Die TT.com-Redaktion bedankt sich für die vielen Leserfotos und -videos! Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir nicht alle veröffentlichen konnten.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 17.07.2010  15:04
aktualisiert: Mi, 16.02.2011  10:21
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum