Grassmayr läutet neue Ära für die Pummerin ein
Probell und Pummerin
Probell ist ein europäisches Forschungsprojekt zur Lebensdauer von Glocken unter der Leitung der Hochschule Kempten. Auch die Firma Grassmayr beteiligt sich und hat laut eigenen Angaben 200.000 Euro investiert.
Pummerin: Die größte Glocke Österreichs wurde 1951 aus den Trümmern der alten gegossen. Sie erklingt an hohen Feiertagen oder besonderen Anlässen (z. B. Papstwahl) und läutet durchschnittlich knapp 50 Minuten pro Jahr.
Neuer Klöppel: Der alte Klöppel der Pummerin wog 886 kg und war 312 cm lang. Der neue hat eine Länge von 296 cm bei einem Gewicht von 613 kg. Er soll bei gleicher Klangintensität die Glocke schonen.
Von Christoph Mair
Innsbruck – Sie wirken unverwüstlich, wie für die Ewigkeit gemacht. Dennoch haben auch Glocken nur eine begrenzte Lebensdauer. Ein falsch dimensionierter Klöppel, der zu heftig anschlägt, kann diese Lebensdauer noch dramatisch verkürzen. So wie bei der berühmtesten und größten Glocke Österreichs, der Pummerin im Wiener Stephansdom. Sie habe sich bei einer Analyse europäischer Großglocken im Rahmen des Forschungsprojektes „Probell“ als die gefährdetste Glocke herausgestellt, erklärt Peter Grassmayr von der gleichnamigen traditionsreichen Innsbrucker Glockengießerei. „Da war Gefahr im Verzug.“ Das Verhältnis von Glocke, Joch, Klöppel und Läutwinkel habe die Bronze beim Anschlag mit zu hoher Intensität beansprucht, fanden die Experten heraus. Als Erstmaßnahme sei in Absprache mit Dompfarrer Toni Faber und der Dombauhütte sofort der Läutwinkel verringert worden, erzählt Peter Grassmayr.
Der Innsbrucker ging daran, ein Projekt zum Ersatz des falsch dimensionierten Klöppels auf die Beine zu stellen. Fachleute von Probell an der Hochschule Kempten (Deutschland) und der Firma Grassmayr berechneten am Computer die neue Klöppelform und führten auch erste Läutsimulationen durch.
Geschmiedet wurde der neue Klöppel, der sich sowohl in Gewicht und Länge als auch Form vom alten unterscheidet (siehe Kasten), in der Klöppelschmiede Rosswag in Baden Württemberg, den Stahl lieferte eine steirische Spezialfirma. Die Innsbrucker Glockengießer übernahmen weiters die Demontage des alten Klöppels. „Alle Beteiligten stellen ihre Leistungen kostenlos zur Verfügung“, freut sich Peter Grassmayr, dass von den ersten Skizzen bis zum Transport und der Montage des neuen, 613 Kilogramm schweren Klöppels keine Kosten für die Dompfarre entstehen.
Der Aschermittwoch gehört eigentlich nicht zu jenen Tagen, an denen die Pummerin ertönt. Doch morgen ist eine Ausnahme. Denn am ersten Tag der Fastenzeit wird ab sieben Uhr Früh der neue Klöppel montiert, der um 17 Uhr erstmals die größte Glocke des Landes anschlagen soll – mit gleichem Klang, aber um ein Vielfaches schonender für die Glocke.
Peter Grassmayr und seine Mitarbeiter werden die letzten Einstellungen am Läutwerk vornehmen, bevor ein außergewöhnliches Unternehmen zu Ende ist. „Das war auch für uns ein ganz spezielles Projekt“, sagt der Glockengießer. „Die durchschnittliche Glocke hat 400 Kilogramm, die Pummerin zwanzig Tonnen.“



