03.06.2011
International

Dürre noch nicht überwunden

Ostösterreich, Frankreich und Deutschland klagen über Ernteeinbußen.
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Wetterdaten und Fakten

Klimawandel. Mit nachhaltigen Klimaveränderungen haben die zu trocken und warm ausgefallenen Frühjahre 2011 und 2010 laut Meteorologen und Hydrologen noch nichts zu tun. Das komme alle fünf bis zehn Jahre vor, sagt Wolfgang Gattermayr. Auch die durchschnittlich höheren Temperaturen sind laut Monika Weis von der Wetterdienststelle noch kein Trend über einen langen Zeitraum hinweg: „Das wechselt über die Jahre immer wieder ab.“

Jahresniederschlag. Durchschnittlich, sagt Monika Weis, regnet es in Tirol jährlich 896,5 Liter pro Quadratmeter. Im Vorjahr waren es gerade einmal 851 Liter. Für das Jahr 2009 ergibt sich ein ähnliches Bild – die ersten Monate zu trocken und ab Mai kam der große Regen. Das Jahr 2008 war niederschlagstechnisch ein Ausreißer. 960 Liter pro Quadratmeter regnete es über das ganze Jahr hinweg. Um einiges mehr als im Durchschnitt.

Regionale Unterschiede. Die ersten vier Monate des heurigen Jahres fielen nachweislich zu trocken aus, sagt Klaus Nieder­tscheider vom Hydrographischen Dienst. Im Lechtal seien nur 30 bis 60 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags gefallen. Im Oberland waren es 30 bis 70 Prozent, im Unterland immerhin noch 60 bis 80 Prozent und in Osttirol nur 45 bis 60 Prozent des langjährigen Niederschlagmittels.

Flüsse. Der schneearme Winter und der seltene Regen machen sich auch in den Abflussmengen der Flüsse bemerkbar. Die ausbleibende Schneeschmelze hat etwa der Brandenberger Ache die hohen Frühjahrswasserstände verwehrt. Auch Loisach und Isar führen kaum Wasser. Ötztaler Ache und Inn hingegen führen mehr Wasser als sonst um diese Jahreszeit. Der Grund: Sie werden durch Gletscherwasser gespeist und das sprang heuer dank der hohen Temperaturen früher als sonst an.

Wien, Berlin, Paris – Die Trockenheit in den vergangenen neun Monaten brachte nicht nur Tirols Bauern immer mehr in Bedrängnis: In ganz Österreich klagten die Landwirte. Alle angekündigten Niederschläge in den vergangenen Wochen seien dürftig ausgefallen. Zu einem handfesten Problem könnte das für die Milchwirtschaft werden: Der erste Grünschnitt, wichtig als Futtermittel für die Kühe, ist in manchen Regionen mit bis zu 70 Prozent geringer ausgefallen, meldet man im Landwirtschaftsministerium.

Der lange fehlende Regen macht in Oberösterreich vor allem den Bauern im Mühlviertel und im Sauwald zu schaffen. Seit September 2010 habe es jeden Monat nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen, teilweise nur die Hälfte des Üblichen, gegeben. In Kärnten dürften zudem die Maiskulturen leiden, sollte es in den nächsten Wochen weiter keine ergiebigen Niederschläge geben.

In Deutschland war der Frühling 2011 der trockenste seit 100 Jahren. Am Dienstag sorgte zwar eine Kaltfront vor allem in Ost- und Süddeutschland für Gewitter und heftige Regengüsse. Insgesamt reichten sie aber „bei Weitem“ nicht aus, um die Trockenheit der vergangenen Wochen auszugleichen, bilanzierten die Meteorologen.

Die Dürre dürfte sich zudem europaweit auf die Lebensmittelpreise auswirken: Auch die französischen Bauern stöhnen unter der Dürre und den Rekordtemperaturen. „Die Lage ist äußerst schwierig. Es gibt bereits große Schäden“, sagte Landwirtschaftskammerpräsident Guy Vasseur. Frankreich ist der größte Weizenproduzent in der EU. Je nach Region erwarte man bei der Getreideernte nach ersten Schätzungen Einbußen von 20 bis 40 Prozent. Auch für die nächsten zwei Wochen wird in Frankreich mit keinen deutlichen Niederschlägen gerechnet. Damit dürften auch die Weizenpreise anziehen.

Auch der Stromproduktion macht der Wassermangel zu schaffen. Dem Wasserkraft-Erzeuger Verbund und dem niederösterreichischen Versorger EVN macht derzeit die geringe Wasserführung Probleme in der hydraulischen Stromerzeugung. Die Stromversorgung ist nicht gefährdet, der geringe Wasserstand sei aber ein wirtschaftliches Problem. Ein heißer Sommer könnte Preissteigerungen zur Folge haben, glaubt die E-Control. (APA, sta)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 03.06.2011
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