11.09.2011
Innsbruck

Frauen proben Aufstand in der Kirche

Eine Gruppe von engagierten Katholikinnen und Katholiken feiert schon seit Jahren heimlich die Eucharistie. Martha Heizer ist eine von ihnen.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Absamer Theologin Martha Heizer war Mitbegründerin der Plattform „Wir sind Kirche“, die 1995 das Kirchenvolksbegehren initiiert hat. 505.000 Österreicher haben es unterschrieben. Heute ist Heizer stellvertretende Vorsitzende der Plattform. Was 1995 gefordert wurde, ist heute noch aktuell bzw. harrt einer Umsetzung. Drei zentrale Punkte hat die Plattform auf ihre Fahnen geheftet, die auch von der Rom-kritischen Pfarrerinitiative vertreten werden: Aufbau einer geschwisterlichen Kirche, volle Gleichberechtigung von Frauen in allen kirchlichen Ämtern und die freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht zölibatärer Lebensform für Priester.

Gestern ging nun Heizer an die Öffentlichkeit: Drei bis vier Mal im Jahr feiert sie mit fünf Gleichgesinnten die Eucharistie – im Verborgenen. „Und wir sind nicht die Einzigen, aber wir wollen jetzt einmal ein öffentliches Zeichen setzen“, sagt Heizer gegenüber der TT.

Die private Eucharistiefeier mit Brot, Wein, dem Evangelium und unserem Leben hat sich aus einem Gebetskreis herausentwickelt, der seit 25 Jahren besteht. Heizer weiß, dass sie mit Sanktionen rechnen muss, schlimmstenfalls mit der Exkommunikation. „Denn nach Kirchenrecht ist es verboten, dass nicht zum Priester geweihte Personen, also Laien, die Eucharistiefeier leiten.“ Das tun in ihrem Kreis abwechselnd Männer und Frauen, das Hochgebet wird gemeinsam gebetet.

Heizer spricht von einem Aufstand der Basis, von einem Ungehorsam, der notwendig sei, damit in der Kirche endlich Reformen umgesetzt werden. „Schon seit 16 Jahren drängen wir darauf, doch es passiert kaum etwas.“ Angesichts der gestrigen Aussagen von Bischof Manfred Scheuer hofft sie auf Dialogbereitschaft der Amtskirche in Tirol. „Ich habe schon einen Funken Hoffnung, weil Scheuer doch zu den liberalen Bischöfen zählt.“ Der Ungehorsam sei jedoch einer von engagierten Katholikinnen und Katholiken, versichert sie. Letztlich ist sie aber realistisch genug und ist sich bewusst, dass Sanktionen wohl unausweichlich sind. „Aber das nehmen wir in Kauf.“ Denn sie fordert Mitbestimmung der Basis in der Kirche. „Wir wollen ein Miteinander, eine geschwisterliche Kirche.“

Große Hoffnungen setzt Heizer auch auf die Pfarrerinitiative. „Vielleicht erzwingt die Basis doch ein Umdenken an der Kirchenspitze.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 11.09.2011
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