04.02.2012
Innsbruck

„Ich sehe Isolation statt Integration“

Die Integration von Menschen mit Migrationshinter­grund ist Herausforderung und Auftrag für uns alle. Diskussion mit Staatssekretär Kurz in der SoWi.
Foto: dpa/Armin Weigel
   
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Fördern & Fordern

Ein Diskussionsabend zum Thema Integration findet am Donnerstag, 9. Februar, in der Sozialwissenschaftlichen Fakultät (SoWi) der Uni Innsbruck statt. Titel: Zwischen Fordern und Fördern. Beginn ist um 18.30 Uhr, Eintritt frei.

Am Podium sitzen Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der zuständige Landesrat Gerhard Reheis, Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Politikwissenschafter Ferdinand Karlhofer, WK-Tirol-Vizepräsidentin Brigitte Stampfer und Ali Güzel, ein Unternehmer mit Migrationshintergrund.

Anmeldung: per Mail an tirol@kuratorium-sicheres-oesterreich.at.

Von Mario Zenhäusern

Innsbruck – Ali Güzel spricht im Tiroler Dialekt, nahezu akzentfrei. Vor 34 Jahren ist der gebürtige Türke nach Tirol gekommen, hat hier Kindergarten sowie Volks-, Haupt- und Handelsschule absolviert. Seit zwei Jahren ist er – mittlerweile Österreicher – selbstständiger Unternehmer. Er hilft im Fußballverein mit, wenn Not am Mann herrscht, und ist Elternsprecher in der Klasse seines Sohnes. Ein Paradefall für eine gelungene Integration also.

Aber Güzel weiß, dass er ein Einzelfall ist. Leider. „Ich sehe derzeit nicht Integration, sondern nur Isolation!“, lautet sein Befund. Eine harte, aber treffende Beschreibung der Ist-Situation. Es ist eine Tatsache, dass sich viele Menschen (in erster Linie türkischer Abstammung) jedem Integrationsprozess verweigern. Die Reaktion der Politik auf diese zunehmend auseinanderdriftenden Parallelgesellschaften ist bislang unzulänglich.

Für Ali Güzel ist klar, dass den ersten Schritt „die Ausländer“ machen müssen. Die Sprache ist für ihn eine Grundvoraussetzung. Wer nicht Deutsch spricht, würde sich nie integrieren können. Noch wichtiger sei für ihn, dass „die Leute aufeinander zugehen. Integration, das muss für mich im Kleinen beginnen, auf der Straße, am Spielplatz oder beim Einkaufen.“ Wenn aber, wie derzeit der Fall, die türkische Gemeinde nur bei ihresgleichen einkaufe, sich ausschließlich von türkischen Ärzten behandeln oder Rechtsanwälten vertreten lasse und sogar die Handys bei Landsleuten kaufe, „dann passt etwas nicht. So geht es nicht weiter.“

Grundvoraussetzung für eine Änderung sei die Bereitschaft der Eltern, diese Änderung auch zuzulassen. So wie Güzels Eltern. „Die haben unseren Aufenthalt in Tirol zuerst nur temporär gesehen und waren erst später zum Umdenken bereit.“ Aber sie haben sich geändert und ihren Kindern damit die Möglichkeit geschaffen, ein erfolgreiches Leben zu führen. Trotz Migrationshintergrund.

Ali Güzel ist Gast bei einer Podiumsdiskussion der Landesgruppe Tirol des „Kuratorium Sicheres Österreich“ am Donnerstag in der SoWi.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 04.02.2012
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