Archiv

Letztes Update am TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe

Prozess

Weide statt Schlachtbank: Landwirt ließ Ziegen leben

In Innsbruck musste sich ein 34-Jähriger vor Gericht verantworten. Er hätte seine Ziegen, die mit einem kranken Tier Kontakt hatten, im Stall stehen lassen müssen. Stattdessen brachte er sie auf die Weide und fälschte eine Urkunde.

Innsbruck – Ein 34-jähriger Landwirt aus dem Bezirk Innsbruck-Land musste sich am Mittwoch am Landesgericht gleich wegen zwei angeklagter Strafdelikte verantworten. So geht es im Prozess vor Richterin Helga Moser um einen Vorfall vom letzten Juni, wo der Angeklagte seine Ziegen auf eine Alm getrieben habe, obwohl ihm laut Staatsanwaltschaft bekannt war, dass sie eventuell mit einer Krankheit infiziert waren. Eines der 19 Tiere litt an einer Gelenks- und Gehirnmarksentzündung, Tests dazu waren positiv verlaufen. Die anderen Ziegen der Herde hätten im Stall bleiben müssen.

Zusätzlich habe der Landwirt in diesem Zusammenhang auch noch eine Urkunde über seinen Ziegenbestand gefälscht.

Der teilgeständige Bauer hingegen argumentierte vor Richterin Moser, dass ja schließlich nur eine der 19 „anklagegegenständlichen“ Ziegen nachweislich infiziert war. Dieses Tier sei auch sofort geschlachtet worden. Die übrigen Ziegen seien jedoch tierärztlich als negativ eingestuft worden und somit nach Erachten des Landwirts für eine Almhaltung geeignet gewesen.

Richterin Moser entgegnete jedoch, dass es hierbei rechtlich um die schon abstrakte Gefahr einer Ansteckung gehe. Auf einer Gemeinschaftsalm liege eben die Gefahr vor, dass die Tiere auch andere Artgenossen anstecken könnten. Schon zuvor war der Betrieb des Bauern offiziell als Sanierungsbetrieb eingestuft worden und hätte somit drei anstatt einer Untersuchung bei den übrigen Ziegen durchführen müssen.

Am Ende wurde der Landwirt zu einer zur Hälfte bedingten Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt. Der 34-Jährige erbat sich für das Urteil Bedenkzeit, damit ist es noch nicht rechtskräftig. (fell, tt.com)