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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 18.03.2013

Das Nachspiel lauerte im Essen

34 Personen erkrankten am Wochenende in Innsbruck an Brechdurchfall. Ein Essen des Innsbrucker Menu Service könnte schuld sein. ISD gehen von eingeschlepptem Virus aus.

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Von Manfred Mitterwachauer und Christoph Mair

Innsbruck – Es gibt viele Essen, die einem so im Laufe der Jahre in Erinnerung bleiben. In guter, wohlgemerkt. Jenes, das einige Kunden des Innsbrucker Menu Service (IMS), dem Essen-auf-Rädern-System der Innsbrucker Sozialen Dienste GmbH (ISD), am vergangenen Freitag konsumierten, schlug ihnen mehr als nur auf den Magen. Es war ein akuter Brechdurchfall, der sie nach dem Verzehr am darauffolgenden Wochenende gehörig in die Mangel nahm. Dabei soll es sich zum Großteil um ältere Personen handeln.

Bereits am Sonntag sei dem diensthabenden Amtsarzt über den ärztlichen Funkbereitschaftsdienst eine Häufung von Durchfallerkrankungen gemeldet worden, wie der für Gesundheit politisch zuständige Vizebürgermeister Christoph Kaufmann nach Rücksprache gegenüber der TT bestätigt. Ein Zusammenhang mit dem am Freitag ausgelieferten IMS-Essen ist zwar noch nicht bewiesen, wird aber allseits als wahrscheinlich angenommen. Die lange Liste der Erkrankten wurde mit der Liste der IMS-Kunden abgeglichen. Ursprünglich, so Kaufmann, hätten sich sogar 44 Personen mit denselben Krankheitssymptomen gemeldet. Jedoch habe sich herausgestellt, dass zehn davon definitiv nicht mit dem IMS-Essen in Zusammenhang gebracht werden können.

34 Patienten mit Brechdurchfall seien auch an der Innsbrucker Klinik behandelt worden, bestätigt der Sprecher des Landeskrankenhauses, Johannes Schwamberger. Vier davon wurden stationär aufgenommen und liegen wegen der hohen Ansteckungsgefahr abgeschirmt von anderen Patienten in eigenen Zimmern. Bei älteren oder geschwächten Patienten gehe es darum, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Für den Geschäftsführer der ISD, Hubert Innerebner, ist die Angelegenheit „sehr bedauerlich“. Man bewege sich derzeit zwar nur auf Basis von Vermutungen, ein Zusammenhang mit dem Essen berge aber „eine gewisse Wahrscheinlichkeit“. Inner­ebner geht aber derzeit nicht davon aus, dass ein verdorbenes Lebensmittel die Ursache für den Brechdurchfall sei. So wurde am Freitag unter anderem auch ein Fisch als Hauptmahlzeit angeboten. Eher nimmt er an, dass ein Virus am Donnerstag durch eine Mitarbeiterin im Bereich der Portionierung eingebracht worden sein könnte: „Eine Mitarbeiterin ist mit diesen Symptomen am Freitag ausgefallen.“ Wenngleich Innerebner klarstellt, dass während des gesamten Zubereitungs- und Portionierungsprozesses strengste Hygienevorschriften eingehalten würden: „Ein gewisses Restrisiko kann man aber nie ausschließen.“

Die Küche des IMS im Wohnheim Pradl, mit der nicht nur drei Seniorenheime versorgt, sondern laut Inner­ebner auch über 500 Mahlzeiten für Essen auf Rädern täglich zubereitet werden, wurde am Montag von zwei Lebensmittelaufsichtsorganen kontrolliert. Darüber hinaus wurden die betreffenden Speisenproben – jedes Essen wird über mehrere Wochen zu Kontrollzwecken aufbewahrt – der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit zur Untersuchung übergeben. Ein Ergebnis steht aus, wie Kaufmann sagt. Beim Küchenpersonal wurden Stuhlproben vorgenommen.

Eine besondere Häufung an Durchfallerkrankungen ist laut Tirols Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber trotz mehrerer Fälle gerade im Großraum Innsbruck nicht zu verzeichnen. Registriert werden könnten auch nur jene Fälle, in denen Patienten ärztliche Hilfe aufsuchen. Viele würden deswegen gar nicht zum Arzt gehen. „Für einen gesunden Menschen sind die Noroviren mehr lästig als gefährlich“, sagt Katzgraber. Bei geschwächten Menschen sei die Erkrankung durchaus ernst zu nehmen.

Die beste Vorbeugung gegen die Übertragung der hartnäckigen Erreger sei eine ordentliche Händehygiene, ruft der Landessanitätsdirektor eine Selbstverständlichkeit in Erinnerung.

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