11.06.2010
Innsbruck

„Betroffen sein ist nicht genug“

Innsbruck – 150 Opfer von Missbrauch oder Gewalt in der Kirche meldeten sich bisher beim Tiroler Ombudsmann Hans Tauscher. Die Landes-Anlaufstelle für Opfer in öffentlichen Einrichtungen zählte bisher 180 Kontakte (82 konkrete Fälle). Was Betroffenen widerfuhr, verdeutlichte am Mittwoch eine Lesung aus dem Buch „Wir waren doch nur Kinder“ des Heimzöglings Jenö Alpár Molnár in Innsbruck.

Betroffenheit sei aber nicht genug, betonte Psy­cho­the­rapeutin Margret Aull in der Diskussion zum Thema. Auch nicht, Täter zur Verantwortung zu ziehen und Opfern Therapie und Entschädigung zu geben. Aull warnte, „dass sich die Strukturen wieder verschlechtern: Es geht zuerst um die Kosten und dann um das Wohl der Kinder.“ Sozial-LR Gerhard Reheis sprach die alltägliche Gewalt in Familien an und kritisierte den unwürdigen Umgang mit Flüchtlingskindern. Erziehungswissenschafter Volker Schönwiese mahnte: Behinderte seien bis heute häufig Opfer, ihre Einrichtungen und Betreuung seien besonders zu hinterfragen. (er)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 11.06.2010
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