25.11.2011, 11:40 

(dapd - Feature) Prügelnde Polizisten in Ägypten an der Tagesordnung - US-Journalistin berichtet von eigener brutaler Verhaftung - Sexuelle Übergriffe durch Beamte -- Von Sarah el Deeb --

Kairo (dapd). Dass es für politisch engagierte Frauen in Ägypten immer noch sehr gefährlich werden kann, hat eine US-Journalistin ägyptischer Herkunft schmerzlich erfahren müssen. Mona Eltahawy war am Mittwoch nach Kairo geflogen und direkt zum Tahrir-Platz gefahren, um dort in der Nähe des Innenministeriums zu recherchieren. Plötzlich seien Schüsse gefallen, sagt Eltahawy. Dann sei sie von Polizisten in Straßenkampfmontur umringt gewesen. «Sie haben mich mit Stöcken an die Arme und auf den Kopf geschlagen. Sie haben mich sexuell angegriffen, an die Brüste und zwischen die Beine gefasst.»

Als sie sich gewehrt habe, sei sie an ihren Haaren in das Innenministerium gezerrt worden, dort stundenlang festgehalten worden und schließlich der Militärpolizei übergeben worden. Dort habe man ihr zwei Stunden die Augen verbunden. Bei den Misshandlungen seien ihr der linke Arm und die rechte Hand gebrochen worden, berichtet Eltahawy.

Über Twitter verbreitete sie Fotos von ihren eingegipsten Armen. «Meine Arme sind gebrochen, aber meine Seele nicht», sagt sie. Wahrscheinlich habe sie ihre doppelte Staatsbürgerschaft vor weiteren Misshandlungen geschützt. «Was mir widerfahren ist, ist wohl nur die Spitze eines Eisbergs voll von Brutalität, die die Ägypter jeden Tag erdulden müssen», sagt die Journalistin.

Zwtl.: «Zuerst die Gesellschaft revolutionieren»

Viele Frauen berichten, dass sexuelle Übergriffe auf dem Tahrir-Platz an der Tagesordnung sind, auch unter den Demonstranten. Eltahawy sagt, sie habe bereits mehrmals Männer zurückweisen müssen, bevor sie festgenommen worden sei. Ihren Angaben zufolge ist der öffentliche Raum in Ägypten nicht sicher für Frauen, die sich dagegen wehren und mehr über sexuelle Gewalt reden müssten. «Wenn wir eine erfolgreiche politische Revolution wollen, müssen wir vorher die Kultur und die Gesellschaft revolutionieren.»

Eltahawy lebt in New York und hat sich einen Namen als Frauenrechtlerin gemacht. Die ehemalige Mitarbeiterin einer Nachrichtenagentur gibt Bücher über die Rolle der Frau in arabischen Ländern heraus und bezeichnet sich selbst als liberale Muslima. In der Vergangenheit hat sie gewalttätige islamistische Gruppen kritisiert, insbesondere kurz nach dem 11. September 2001.

Sie gilt als Unterstützerin des Umsturzes in Ägypten und hat den Militärrat hart kritisiert. «Ich mache mir keine Sorgen um die Revolution als solche, denn die Ägypter sind entschlossen, sie zum Erfolg zu führen. Aber ich mache mir Sorgen, dass die Armee nicht weiß, was sie mit der Polizei tun soll, und dass sich die Polizeigewalt um keinen Deut verändert hat.»

(Sarah el Deeb ist AP-Journalistin)

Bildhinweis: 241111APCAI125

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Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 25.11.2011  11:40
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