Erweiterung ist keine g‘mahte Wies‘n
Von Katharina Zierl
Kitzbühel – Er hat den Kontakt gesucht und ihn mehr als gefunden. Erklären, argumentieren, rechtfertigen – Klaus Winkler hatte am Mittwochabend einiges zu tun, um den Hagel an Fragen seitens der Bürger weitestgehend unbeschadet zu überstehen. Kitzbühels Bürgermeister hatte zur Informationsveranstaltung geladen, um die jüngste Entwicklung in Sachen Erweiterung der Bezirkshauptmannschaft zu dokumentieren. Die mündlich bereits fixierte Einigung mit dem Land, das Marienheim für den nötigen Ausbau der Behörde zu nutzen, wurde von den anwesenden, großteils aufgebrachten Bürgern heftig kritisiert.
Nachdem die Bürgerinitiative den Schulpark, der zunächst für den Erweiterungsbau vorgesehen war, retten konnte, war kurzzeitig bereits ein Hauch von Konsensstimmung aufgekommen. Aber auch wenn das Gras im Park weiterwachsen darf: A g‘mahte Wies‘n ist die Erweiterung der BH aus Sicht der Bürger noch lange nicht, wie die hitzige Diskussion zeigte. Stein des Anstoßes: Im Marienheim sind derzeit sowohl die Musikschule als auch der Kindergarten angesiedelt. „Man reißt Kitzbühel das Herz heraus!“, betonte eine Bürgerin. Schließlich würden Musik und Kinderlachen das Leben in der Stadt ausmachen. Und genau das wäre dann weg.
Die Musikschule würde im Falle des geplanten Erweiterungsbaus im Marienheim zur Hauptschule, der Kindergarten in den Süden der Stadt verlegt. Deren Belebung würde unter dieser Absiedelung leiden, war der einhellige Tenor der Bürger. Man solle doch besser „die Fachleute des Lebens“ zu derartig wichtigen Entscheidungen befragen und nicht nur Statistiker, die nicht wissen, wie es in der Stadt zugehe, meinte eine Bürgerin.
Auch der konkrete Deal, den die Stadt mit dem Land ausverhandelt hat, stößt einigen sauer auf. Während das Land für das Marienheim nichts zahlen muss, kostet der Teil des BH-Gebäudes, das Kitzbühel im Gegenzug vom Land bekommt, satte zwei Millionen Euro.
Dass die ausverhandelte Variante nicht für alle optimal ist, sei ihm selbst klar, sagte Winkler. Dennoch wäre die BH sonst aus dem Zentrum abgewandert und hätte an anderer Stelle neu gebaut. „Und somit hätte das Land wohl das Gebäude an den Bestbieter verkauft“, betonte der sichtlich um Deeskalation bemühte Bürgermeister. Genau das habe man verhindern wollen. Eine Standort-Analyse habe außerdem ergeben, dass sich das Marienheim gut für die Erweiterung eignen würde.
Eine Unterschrift, um den Deal zu besiegeln, gebe es aber noch nicht, erklärte Winkler. Zunächst müsse der Gemeinderat den nötigen Beschluss fassen, erst dann würden die weiteren Schritte folgen. „Alle heute hier vorgebrachten Argumente und auch die ganze Atmosphäre werden sicher in die Entscheidung der einzelnen Gemeinderäte miteinfließen“, beschwichtigte Winkler die nach wie vor aufgebrachten Bürger und beendete nach drei Stunden – zumindest vorübergehend – den Diskurs.



