(Hintergrund) Die «Omega»-Geschäfte der HSH Nordbank
Hamburg (dpa) - Der Codename «Omega» stand bei der HSH Nordbank für komplexe Finanzgeschäfte, bei denen hohe Risiken außerhalb der Bilanz landeten. Die Geschäfte mit den Namen «Omega 52» und «Omega 55» wurden 2007 über die Londoner Niederlassung der Bank eingefädelt. Partner bei dem Geschäft, das auch für Finanzexperten schwer zu durchschauen ist, war die französische Bank BNP Paribas. Sie gründete gemeinsam mit der HSH Nordbank im irischen Dublin eine sogenannte Zweckgesellschaft - zunächst mit dem Zweck, Immobilienkredite auszutauschen.
Zudem landeten dort diverse Wertpapiere der HSH Nordbank, darunter auch solche, die später drastisch im Wert verfielen oder ganz wertlos wurden. Die Zweckgesellschaft erhielt eine vertragliche «Liquiditäts- Faszilität» von mehr als 600 Millionen Euro. Das ist im Banker- Deutsch so etwas wie die Zusicherung, überdurchschnittliche Verluste aus dem Engagement zu übernehmen.
Vorteil für die HSH Nordbank: Die Risiken für diese Engagements waren nicht mehr in der Bilanz. Die BNP Paribas erhielt im Rahmen des Geschäfts sofort 35 Millionen Euro. Wofür dieses Geld geflossen ist, bleibt unklar.
Bei der Bilanzierung des ersten Quartals 2008 wurde nun «Omega 55» wie ein normaler Kredit behandelt, also zum Nominalwert als Forderung in die Bilanz eingestellt. Die Bank räumt selbst ein, dass stattdessen der Marktwert der Papiere zu berechnen gewesen wäre, die bei «Omega 55» lagen und für deren Verluste die HSH Nordbank letztlich aufkommen musste. Dann hätte die Bank keinen Gewinn, sondern einen Verlust ausgewiesen.
Bis zum Ende des Jahres 2008 musste die Bank mehr als 500 Millionen Euro auf die «Omega»-Geschäfte abschreiben. Bei der endgültigen Auflösung im Januar 2010 wurde davon zwar ein Teil wieder aufgeholt, es blieb aber ein dreistelliger Millionenverlust. Der frühere Kapitalmarkt-Vorstand Jochen Friedrich behauptet, der Wert von «Omega 55» habe sich wieder um 188,5 Millionen Euro erhöht und der Verlust sei nur entstanden, weil die Bank die Papiere zu früh verkauft habe. Andere Quellen sprechen davon, dass die Bank insgesamt einen Schaden von 270 Millionen erlitten habe.
Ob sich die sechs Vorstände, die den Kreditvertrag unterschrieben haben, damit strafbar gemacht haben, wird vor Gericht entschieden, wenn es zur Verhandlung kommen sollte. Ein Verlustgeschäft allein ist noch keine Straftat. Die Vorstände müssten ihre Pflichten verletzt haben, was sie energisch bestreiten.
Juristisch gesehen stellt sich zudem die Frage, ob der Vorstand vorsätzlich falsche Angaben zur Vermögenslage der Bank veröffentlichte. Das weist das Institut zurück. Das Risikomanagement der Bank sei im November 2008 auf das Problem aufmerksam geworden und habe sofort sämtliche Schritte unternommen, um den Fall zu bereinigen. Die Wertberichtigungen seien im Jahresabschluss 2008 verarbeitet, der Quartalsbericht entsprechend korrigiert worden. «Eine falsche Bilanz ist keine gefälschte Bilanz», sagte dazu der frühere Vorstandsvorsitzende Dirk Jens Nonnenmacher.
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