Gütesiegel „Bergsteigerdorf“ für Sommer unentbehrlich
Von Catharina Oblasser
Kals a. G. – Das Konzept der „Bergsteigerdörfer“, das der Österreichische Alpenverein (ÖAV) ins Leben rief und unter seinen Mitgliedern speziell bewirbt, gibt strenge Kriterien vor: Ein authentisches Ortsbild, die Idee der „Bewegung aus eigener Kraft“ – also ohne Seilbahnen – sowie unverbrauchte Natur- und Kulturlandschaft zählen dazu. Kals war zu Projektbeginn vor zehn Jahren eines der ersten solchen Dörfer und galt mit dem Großglockner förmlich als Aushängeschild für die Initiative. Doch inzwischen gibt es die Skischaukel Kals-Matrei, neue Lifte und große Pläne für den weiteren Ausbau. „Damit widerspricht Kals unseren Kriterien eines Bergsteigerdorfes. Wir fordern Produkttreue“, stellt Peter Haßlacher vom Alpenverein klar.
Derzeit würden Gespräche mit der Gemeindeführung laufen, um eine Lösung zu finden. Im Raum steht ein freiwilliger Ausstieg. Im neuen ÖAV-Prospekt der Bergsteigerdörfer ist Kals jedenfalls nicht mehr unter den 17 Genannten.
Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, bedauert das zutiefst, wie er sagt. „Kals ist mit dem Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs, das Paradedorf des Alpinismus, das Bergsteigerdorf schlechthin. Wenn wir das Prädikat des Alpenvereins wieder verlieren, ist das kein gutes Signal. Dann ist auch das Image weg.“ Besonders dem Sommertourismus würde das enorm schaden, denn Wandern und Bergsteigen sind für Theurl die Kernkompetenzen Osttirols. „Im Sommer ist diese Positionierung sehr wichtig. Da müssen wir höllisch aufpassen.“
Dafür könnten Prägraten und Virgen neu einsteigen, erklärt ÖAV-Koordinatorin Christina Schwann. „Das Bewerbungsverfahren läuft zurzeit.“ In Tirol gehören Vent im Ötztal, Ginzling im Zillertal, das Villgratental und das Tiroler Gailtal (Kartitsch, Ober- und Untertilliach) zur Gruppe der ÖAV-Bergsteigerdörfer. Die Förderung und Weiterentwicklung dieser Dörfer erfolgt im Einklang mit den Protokollen der Alpenkonvention.



