Bürgermeister droht Strafe wegen Schneeablagerung
Von Sabine Kuess
Vomp, Schwaz – Wohin nur mit dem Schnee? Heuer ist die Schneeräumung eine Härteprobe für die Gemeinden – auch in Vomp. Die Städte Innsbruck und Schwaz werfen Neuschnee zum Beispiel in den Inn.
In Vomp kamen die Verantwortlichen auf die Idee, Schnee im Gießen, auch bekannt als Moosgraben, zu lagern. Der Zustand entlang der Strecke zwischen Stans und dem Fachmarktzentrum in Vomp führte allerdings zu Kritik des Schwazer Politikers Hermann Weratschnig. Der grüne Bezirkssprecher und Schwazer Stadtrat sah den Öko-Haushalt des Gießen völlig zerstört durch die abgeladenen Schneemengen. „Das ist ein untragbarer Zustand“, wetterte Weratschnig bei einem Lokalaugenschein.
„Wir laden Schnee seit vielen Jahren von unseren Straßen und Plätzen im Gießen ab“, erklärt der Vomper Bürgermeister, Karl-Josef Schubert, gegenüber der TT. Der Gießen sei im Eigentum der Marktgemeinde und als Entwässerungskanal definiert, betont er weiter. Die Oberflächenwässer der Marktgemeinde würden dort zusammenrinnen. Da sei es seiner Meinung nach egal, ob dies im gefrorenen Zustand passiere. Doch bei der BH Schwaz sieht man das anders: „Ohne Bewilligung darf man keinen Schnee in ein Gewässer einbringen“, heißt es im zuständigen Referat.
In Vomp gebe es eben diese Bewilligung nicht, daher „werden wir jetzt ein Strafverfahren gegen den Bürgermeister einleiten“, sagt der BH-Mitarbeiter im Gespräch mit der TT. Jede weitere Einbringung in das Gewässer werde untersagt und es müsse geprüft werden, ob der bereits abgeladene Schnee wieder herausgeschafft werden könne. Der Bürgermeister wusste gestern Nachmittag noch nichts von der angedrohten Anzeige durch die BH Schwaz: „Das habe ich noch nicht gehört. Aber wenn es keine Alternativen gibt, werde ich mich nicht davon abhalten lassen. Eine potenzielle Strafe ist geringer als alles andere (für die Schneeablagerung; Anm.) durchzuführen“, fügt Schubert an.
Für den Vomper Ortschef ist Weratschnigs Kritik nicht nachvollziehbar: „Offensichtlich hat der gute Mann in Schwaz zu wenig zu tun. Ich sehe für die Natur überhaupt keinen Nachteil und auch keine ökologischen Probleme!“ Weratschnig solle das Gespräch mit ihm suchen, „wenn ihm in Vomp etwas nicht passt. Er fühlt sich immer berufen, den Vompern Ratschläge zu geben“, erklärt Schubert. Im Oberlauf des Gewässers befindet sich ein Biotop, in dem Enten und Futterfische überwintern. Dafür leite die Marktgemeinde Quellwasser in den Gießen. „Ohne das gebe es den Moosgraben nicht. Aber wenn das jetzt so ist, werden wir das Wasser abdrehen, damit ist das Biotop Geschichte“, droht der Ortschef.
Die Gemeindeführung habe sich Alternativen überlegt. Grundstücke für eine Ablagerung zur Verfügung zu stellen, wäre laut Schubert aber zu teuer. „Das würde einen Haushalt einhundert Euro zusätzlich kosten“, sagt er. Denn das Wasser des geschmolzenen Schnees gehe ins Grundwasser und müsste in den Kanal geleitet werden. Für den Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft eignet sich der Moosgraben dennoch auf keinen Fall für Schneeablagerungen, „der Inn ist da schon geeigneter“. Außerdem seien die Schneebrocken im Gießen auch eine Hochwassergefahr, gibt der Mitarbeiter zu bedenken.
Weratschnig fordert den Planungsverband auf, ein Konzept zu erstellen und die Möglichkeit eines Ablagerungsplatzes zu prüfen. „Auch in Schwaz ist die Einbringung des Schnees ein Problem. Die unzumutbare Verkehrsbelastung in der Archengasse ist kein optimaler Zustand“, sagt er. In Schwaz gibt es einen Bescheid, der es erlaubt, Schnee sieben Tage lang nach dem Fallen in den Inn zu schütten. Weratschnig sieht diesen „als zuständiger Umweltreferent nicht mehr zeitgerecht“.



