Jäger kritisieren „in die Höhe getriebene“ Abschussvorgabe
Von Matthias Reichle
Landeck – Es war ein klares Bekenntnis für Bezirksjägermeister Hermann Siess. In einer Zeit, die – wie der oberste Jäger des Bezirks Landeck selbst zugab – nicht für alle zufriedenstellend verlief. „Wir werden weiterkämpfen“, betonte er deshalb in seinem Bericht bei der Jahreshauptversammlung in Landeck – und erhielt im Anschluss daran die Bestätigung, dass man ihn auch in den nächsten sechs Jahren an der Spitze sehen will. Dem einzigen Kandidaten, den Erwin Bouvier im Auftrag der Hegemeister und Delegierten vorgeschlagen hatte, schenkten 97,5 Prozent ihr Vertrauen. Nur sechs der 245 abgegebenen Wahlkarten waren ungültig. „Auf einer steht Herminator“, berichtete Landesjägermeister Karl Berktold mit einem Schmunzeln.
Thema war auch heuer die Abschussquote, die in Landeck nicht unbedingt zufriedenstellend verlief. Die von der Behörde festgesetzten Abschusszahlen wurden im Bezirk Landeck beim Rotwild mit nur 76 Prozent, beim Rehwild mit 89 Prozent, beim Gamswild mit 77 Prozent und beim Steinwild mit 73 Prozent erfüllt.
„Es kann nicht sein, dass mit Computersimulationen die Wildbestände in die Höhe getrieben werden. Die Abschussquote belehrt die Initiatoren angesichts ihrer unseriösen Vorgehensweise eines Besseren“, kommentierte Siess das Ergebnis. „Im Falle von überzogenen Abschussfestsetzungen wird man in Zukunft den Instanzenweg beschreiten“, erklärte er.
Die tatsächlichen Bestände beim Gamswild würden sich nicht mit dem Abschussplan decken. Gerade bei der derzeitigen Kälte würden die Kitze und Jahrlinge dahingerafft, ohne dass das Berücksichtigung finde. „Man muss bei den Praktikern unmissverständlich deponieren, dass die Abschusserfüllung mit dem Bleistift einfacher ist als in den Revieren.“ Von der aktuell laufenden Wildzählung erhofft sich Siess deshalb vor allem „Transparenz“. Da die Bestände bei Fütterungen erhoben werden, gebe es angesichts der aktuellen Schneelage keine Dunkelziffer.
Landesjägermeister Karl Berktold nahm in seiner Rede vor allem die seiner Meinung nach „unsaubere Arbeit“ der Bundesforste ins Visier. Darüber hinaus warnte er zugleich vor „aufziehenden Gewitterwolken“ – und kündigte das Papier einer Organisation an, mit dem versucht werden würde, Tirol als Negativbeispiel herauszugreifen.
Gelassen blieb der Jagdreferent der Bezirkshauptmannschaft Landeck, Thomas Spiss, angesichts der Vorwürfe. Er meldete sich erst auf Anfrage der TT zu Wort und spricht von den „üblichen Argumenten und Diskussionen der letzten zehn Jahre“. „Wenn die Wildzahlen zurückgehen, wird die Behörde reagieren“ – die Tendenz gehe in diese Richtung.



