07.02.2012
Innsbruck

Kälte lässt Motoren einfrieren

Tirol ist erneut der Kältepol Österreichs. Die anhaltenden Minusgrade führen bei Diesel­fahrzeugen auch während der Fahrt zu Motorstillstand, Pannenhelfer im Dauereinsatz.
Pannenhilfe im Akkord: Die Kälte macht den Pannenhelfern und den Autos zu schaffen.Foto: Murauer
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Von Marco Witting

Innsbruck – Sie laufen richtig heiß – zum Leidwesen der Autofahrer aber nicht die fahrbaren Untersätze, sondern nur die Telefonleitungen der Pannendienste. Die Kälte macht dieser Tage nicht nur den Menschen zu schaffen, sondern auch den Autos. Neben den morgendlichen Startschwierigkeiten hatten in den letzten Tagen etliche Dieselfahrer einen unliebsamen Stopp.

Denn auch der Treibstoff hat es lieber warm. Ab 20 Grad unter null bilden sich vermehrt Paraffinkristalle, die immer größer werden und den Kraftstofffilter verstopfen können. Der Dieselkraftstoff beginnt zu „flocken“, wie es ÖAMTC-Stützpunktleiter Erwin Lettner ausdrückt. Die Folgen sind für die Lenker äußerst unangenehm und sogar gefährlich. „Es kann dann auch unter der Fahrt zum Motorstillstand kommen“, sagt Lettner. Etwas, das in den vergangenen Tagen sehr oft passiert sei. Am schlimmsten endete dabei eine eingefrorene Treibstoffleitung am Samstag im Roppener Tunnel. Vier Fahrzeuge wurden bei einer Karambolage beschädigt, als ein Geländewagen plötzlich liegen blieb – die TT berichtete.

„Die Treibstoffleitungen sind bei den meisten Modellen sehr dünn. Bei der extremen Kälte und dem Fahrtwind entstehen hier Temperaturen von bis zu minus 40 Grad“, sagt Lettner. Und das führe dann zu dem Problem, das für den Lenker selbst im ersten Moment gar nicht mehr zu lösen ist.

„Da hilft nur den Pannen- oder Abschleppdienst anrufen, das Auto aus der Gefahrenzone bringen und dann in eine warme Garage zu stellen.“ Helfen würde ein hochwertigerer Treibstoff, den diverse Mineralölfirmen – zu höheren Preisen – anbieten. Ein Ärgernis für viele Autofahrer.

Experte Lettner hält von Zusätzen zum Diesel nicht viel. Auch hier werden diverse Mittel angeboten, die eine Bildung von Kristallen verhindern sollen. Autos mit Benzinmotor sind übrigens weniger kälteempfindlich.

Für die Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC ist die momentane Kälteperiode ein echter Stresstest. „In 20 Jahren hat es so etwas noch nicht gegeben“, sagt Lettner. Ein bis zwei sehr kalte Tage gebe es jedes Jahr. Ein derart langer Zeitraum sei aber außergewöhnlich. Während es beim ÖAMTC im Jänner durchschnittlich 450 Panneneinsätze pro Tag gab, zählte man in den ersten Februartagen über 930 Einsätze pro Tag.

Darunter sind natürlich auch sehr viele Urlauber. Die Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer hat auf ihrer Facebookseite auch einen Rat an die Vermieter im Land parat. Um „Belastungsspitzen“ an den Samstagen des Urlauberschichtwechsels zu vermeiden, sollen die Gäste, die ihre Fahrzeuge während der Urlaubswoche nicht in Betrieb nehmen, ihr Auto bereits am Donnerstag starten und „ein gutes Stück (ca. 50 Kilometer)“ fahren.

Der Kältepol Österreichs am Montag war eindeutig das Außerfern. Kurz vor neun Uhr am Vormittag zeigte das Thermometer in Tannheim knackig frische minus 28,9 Grad an. Laut den Werten der Wetterdienststelle Ubimet lagen die fünf kältesten Orte in der Nacht auf Montag allesamt in Tirol.

Auch heute Dienstag bleibt es eisig kalt. In der Früh ist noch einmal mit Werten unter minus 20 Grad zu rechnen. Auch untertags steigen die Temperaturen kaum. Ab Mittwoch prognostizieren die Experten dann erstmals eine Entspannung der Situation. Es soll, verglichen mit den vergangenen Tagen, zumindest wieder etwas wärmer werden. Die anhaltende Kälte bringt derzeit freilich auch so manchen körperlich ins Schleudern: Der so genannte „Kältestress“ belaste das Immunsystem, erklärt Christian Schubert, Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie der Med-Uni Innsbruck. Mehr Schonung und ausreichend Schlaf empfehle sich daher. Denn nicht nur Getriebe, sondern auch Körper und Psyche bedürfen derzeit erhöhter Sorgfalt.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 07.02.2012
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