„So sind sie“, würde es heißen
Linz, Innsbruck – Der Verein „Ketani“ (Miteinander) in Linz nimmt sich bereits seit mehreren Jahren der Belange der Sinti und Roma in Österreich an. Die Mitglieder kümmern sich um die Pflege der Kultur und Sprache und setzen sich für die Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung ein. Auf eine Initiative von „Ketani“ wurden in Oberösterreich bereits zwei Durchreiseplätze geschaffen – „aus der Notwendigkeit heraus“, wie Generalsekretärin Nicole Sevik sagt. Die Gruppen wären sonst gezwungen, auf Ackern oder Parkplätzen ohne Infrastruktur zu campieren. „Dann wäre überall Müll zu sehen und es würde heißen: ‚Genau so sind sie.‘“
Allerdings sei es sehr schwierig gewesen, Plätze zu finden, auf denen Roma- oder Sinti-Gruppen legal für einige Zeit unterkommen können, selbst wenn diese dafür bezahlen. Und das liege wohl auch daran, „dass man mit dem Thema politisch nicht groß punkten kann“, so Sevik. Ein Teil des Problems sei die Größe der Gruppen. Doch das liege in ihrer Kultur, der Stellenwert der Familie sei sehr hoch.
Bei den Durchreisenden handle es sich vor allem um Menschen, die in Wohnwägen leben. „Es sind Geschäftsleute, die ihre Kunden in mehreren europäischen Ländern haben. Sie handeln mit Autos, kaufen und verkaufen Kupferabfälle. Manche besitzen einen Dampfstrahler, mit dem sie Reinigungsdienste anbieten.“
Bei der Gruppe, die in Tirol aufgegriffen wurde, dürfte es sich laut „Ketani“ jedoch um sehr arme Menschen handeln mit einem traurigen Schicksal, die auf der Flucht vor den Zuständen in ihrem Heimatland sind. „Häufig leben sie in Situationen, die wir uns nicht vorstellen können. Sie hungern, haben Angst um ihre Kinder und suchen nach Möglichkeiten zu überleben“, sagt die Generalsekretärin des Vereins. „Ob sie sich unter diesen Umständen eine Heimreise, wie angekündigt, wirklich leisten können? Vermutlich nicht.“ Wahrscheinlicher sei, dass sie weiterhin nach einer Möglichkeit suchen werden, in Westeuropa ein neues Leben zu beginnen. (ms)







