Schnee gab Patrick frei: 15-Jähriger tot in Lizum entdeckt
Von Matthias Christler
Axams – Der 15-jährige Patrick ist am 7. Jänner in der Axamer Lizum gestorben. Vier Monate lang mussten Familie und Freunde auf diese bittere Nachricht warten. Vier Monate, in denen die Befürchtung mit jedem Tag mehr zur traurigen Gewissheit gereift war. Die Einsatzkräfte hofften nach dem ersten erfolglosen Sucheinsatz noch auf ein Wunder, auf ein Lebenszeichen des jungen Skifahrers aus Wattens. Vergeblich.
Gestern um 8.35 Uhr sah eine Tourengeherin beim Aufstieg zum Hoadl eine Leiche aus dem Schnee ragen. Wenige Stunden später musste die Alpinpolizei den Körper jenem 15-Jährigen zuordnen, der seit einer Abfahrt am ersten Samstag im neuen Jahr als vermisst galt. Wie befürchtet. Es war nur eine Frage der Zeit und der Schneeschmelze. Das Gebiet zwischen der Hoadlbahn und der Damenabfahrt hatten die Suchmannschaften oft abgesucht, weil es bei Variantenfahrern durchaus beliebt ist. „Erst am Donnerstag sind wir mit einem Hubschrauber fünf Mal über diese Stelle geflogen und haben nichts entdeckt. Innerhalb weniger Stunden muss der Körper ausgeapert sein“, sagt Alpinpolizist Franz Markart.
Und nur wenige Stunden, wenn überhaupt, dauerte es, bis der Körper des 15-Jährigen am 7. Jänner so eingeschneit war, dass er nicht mehr gefunden werden konnte. Mittags hatte sich Patrick von seinen Eltern verabschiedet. Er fuhr zum Hoadl Haus hinauf, um sich einen Tiefschneehang zu suchen. Nach der Vermisstenmeldung grenzte eine Handypeilung das Gebiet auf einen Umkreis von zwei Kilometern ein. Insgesamt 400 Männer und Frauen von Bergrettung, Alpinpolizei und Bundesheer sowie Angehörige der Familie suchten – auch mit Dampfsonden und Lawinenradar – nach dem Schüler.
Die Suchmannschaften fanden keine Spuren, keine Anhaltspunkte und nicht einmal den kleinsten Hinweis. 3000 Menschen befanden sich an diesem Tag im Skigebiet, doch niemand sah, wie ein Skifahrer in einer blauen Jacke und einer grellen, gelben Hose 80 bis 100 Meter neben der Piste im Schnee verschwand. „Wir konnten uns das nicht erklären.“ Es deute weiterhin wenig auf eine Lawine hin, schon eher auf einen Sturz, sagt Markart. Dafür spreche, dass der Körper kopfüber im Schnee gefunden wurde. Das rechte Bein ragte heraus, eine Hand hielt noch einen Skistock fest. Acht Meter oberhalb lagen der zweite Skistock und ein Ski.
Die genaue Todesursache muss noch durch eine Obduktion geklärt werden. Bei der Pressekonferenz gestern Mittag in Axams nahmen Bergrettung und Alpinpolizei zu der Ausrüstung des 15-Jährigen Stellung: Er hatte einen Helm auf und ein Lawinenverschüttetensuchgerät dabei. Es war eingeschaltet, doch der Akku dürfte nicht lange genug gereicht haben. Patrick war gut ausgerüstet. „Alles hat bei der Suche gegen uns gesprochen“, schüttelt Bergrettungschef Josef Gspan den Kopf. Als die Vermisstenmeldung einlangte, schlug das Wetter um. Lawinenwarnstufe vier, Nebel, Wind mit bis zu 100 km/h und heftiger Schneefall – allein in der ersten Nacht fiel ein Meter Neuschnee. Das Wetter änderte sich in den folgenden Tagen nicht. Nach einer Woche wurde die nicht ungefährliche Suche unterbrochen – doch immer wieder durchkämmten Bergretter und Polizei das Gebiet. Für heute wäre eine erneute Suchaktion mit 200 Einsatzkräften geplant gewesen.
Vier Monate ohne Ergebnis und eigentlich ohne Hoffnung, auch für die Einsatzkräfte eine Belastung. „In gewisser Weise ist es eine Erleichterung, diese Gewissheit jetzt“, sagt Gspan, der betroffen hinzufügt: „Ich habe selbst einen Buben in diesem Alter.“
Die zwischenzeitlich aufgetauchten Gerüchte, dass der Schüler sich abgesetzt haben könnte, waren ärgerlich und für die Polizei irrelevant, wie Bezirkspolizeikommandant Gerhard Niederwieser klarstellt. „Nach Abklärung des Umfelds war für uns schnell klar, dass diese Geschichten aus der Luft gegriffen waren.“ Niederwieser und Gspan machen auch deutlich, dass Polizei und Bergrettung der Familie für die Sucheinsätze nichts verrechnen werden. „In so einem Fall spielen unsere Kosten keine Rolle“, betont Gspan.
aktualisiert: Sa, 12.05.2012 07:38





