Canyoning-Führerin sprang um Gast zu retten, beide starben
Oetz – Im vorderen Ötztal ist es am Freitagnachmittag zu einem schweren Canyoningunfall gekommen. Kurz vor 15 Uhr wurde Alarm geschlagen. Ein Gast war, wie bei dieser Sportart üblich, in einen Wasserpool des Bachs gesprungen. Der Rücklauf war jedoch so stark, dass sich der 50-jährige Mann nicht mehr selbst aus der Wasserwalze befreien konnte. Eine 24-jährige Canyoning-Führerin wollte dem Deutschen helfen und sprang hinterher. Beide wurden vom Rücklauf festgehalten und ertranken.
Bei den Opfern handelt es sich um einen Gast aus einer achtköpfigen Urlaubergruppe und eine einheimische Führerin. Die junge Frau leitete die Tour gemeinsam mit einem einheimischen Kollegen (29). Beide sind staatlich geprüfte Canyoning-Guides, wie der Sprecher des Tiroler Raftingverbandes und der Outdoor-Unternehmen, Marcel Pachler, berichtet.
„Die Führerin hat sofort gemerkt, dass da etwas nicht stimmt und ist dem Gast in den Pool nachgesprungen“, erklärt Pachler weiter. Aber auch sie kam nicht mehr an die Wasseroberfläche. „Der so genannte Rücklauf hat das verhindert“, schildert Pachler. „Es entsteht ein Kreislauf, ähnlich wie in einer Waschmaschine.“
Aufgrund der hohen Fallgeschwindigkeit werde das Wasser dermaßen mit Sauerstoff angereichert, „dass das Wasser keinen Auftrieb mehr hat“, versucht Pachler den tödlichen Ablauf zu erklären. „Da ist es sogar mit Schwimmweste teilweise sehr schwierig, die Wasseroberfläche wieder zu erreichen.“
Der zweite Canyoning-Führer sei dann ebenfalls in den Pool gesprungen, „hat die beiden auch an die Oberfläche gebracht und sofort mit der Reanimierung begonnen, aber es war vergebens“, zieht Pachler traurige Bilanz.
Der Kollege schlug schließlich Alarm. Die Bergrettungen von Ötz und Sautens eilten zum Einsatzort. Der Unfall ereignete sich im mittleren Bereich der Auerklamm. Der Rest der Canyoning-Gruppe wurde aus der Klamm begleitet. Auch die beiden Toten wurden geborgen. Neben den Bergrettern standen Mitglieder des Canyoning-Teams Tirol, der Alpinpolizei sowie die Libelle des Innenministeriums und der Notarzthubschrauber von Heli Tirol.
Bereits vor zehn Jahren starben zwei sehr erfahrene Canyoning-Guides in der Auerklamm. Auch diese beiden waren Opfer eines Rücklaufs geworden. Knapp zwei Jahre zuvor wurde ein Rücklauf zur Todesfalle für zwei weitere erfahrene Führer in einem Canyon nur wenige Kilometer entfernt in Huben. (upf, jenny, pascal, mr)
aktualisiert: Sa, 26.05.2012 12:40



