Muren, Steinschlag und Überschwemmungen in Tirol
Zams, Pfons, Münster – Besucher der „mystischen Klamm“, auch „Zammer Lochputz“ genannt, trauten ihren Augen und Ohren nicht: Am Montag gegen 14 Uhr hatte sich 200 Meter oberhalb des Erlebnissteigs ein schreibtischgroßer Fels gelöst. Mit dumpfem Getöse landete das Gestein, das in Teile zerbrach, im Bachbett des Wasserfalls. Dabei wurden die Steinschlagnetze beschädigt. Die rund 20 Besucher wurden unverzüglich zum Verlassen des Erlebnissteigs aufgerufen, die Anlage muss bis auf Weiteres gesperrt bleiben.
„Wir halten uns selbstverständlich an die Empfehlungen der Experten, Sicherheit hat absoluten Vorrang“, betonte Geschäftsführer Hubert Lenhart. Nach ihrem Erkundungsflug bestätigten die Landesgeologen Gunther Heißel und Werner Thöny die Notwendigkeit der Sperre: „Im Umfeld des Abbruchs befindet sich ähnlich gelagertes Gestein, wir sehen weitere Absturzgefahr.“ Das Gelände müsse untersucht, die Steine müssten vermessen werden, betonen die Geologen: „Neue, stärkere Steinschlagnetze werden nötig sein.“
Heftiger Regen, dazu Schneeschmelze in höheren Lagen. Diese Zutaten ließen Montagfrüh den unscheinbaren Riggelesbach in Pfons im Wipptal zur Schlammlawine werden. Laut Ivo Schreiner von der Wildbach-und Lawinenverbauung staute eine Rutschung von einer durchnässten Bergwiese den Bach im Oberlauf, bis der Druck zu groß wurde und sich das Wasser seine Bahn brach. „Eine Welle von drei bis fünf Metern Höhe dürfte sich sehr schnell ins Tal bewegt haben“, schließt der WLV-Experte aus den Spuren der Mure, die Bäume und Holzbrücken mit sich riss. Auf einer Länge von ca. 50 Metern verschüttete sie auch die Ellbögener Landesstraße. Verletzt wurde niemand, auch Häuser seien nicht gefährdet, hieß es von Seiten der Polizei. Allerdings musste neben der Straße auch ein gefährdetes Gleis der Brennerbahnstrecke auf einem Teilstück von fünf Kilometern gesperrt werden. Die Straße konnte bereits gestern wieder freigegeben werden, auf der Schiene soll es heute wieder so weit sein. Der Bach muss weiter beobachtet werden, weil kleinere Nachrutschungen möglich seien, betont Schreiner.
Um 12 Uhr mittags heulten in Münster die Sirenen. Ein Bach trat über die Ufer und setzte die Habachsiedlung teilweise meterhoch unter Wasser. „Mit Sandsäcken haben wir die Häuser geschützt. Wenn es nicht wieder stark regnet, bin ich zuversichtlich, dass die Situation unter Kontrolle bleibt“, sagte Feuerwehrkommandant Armin Lechner. (hwe, cm, chris)
aktualisiert: Di, 05.06.2012 00:08






