Als Schützenhauptmann Wachter vom Gefecht bei Le Tezze schrieb
Von Helmut Wenzel
Landeck, Le Tezze – „Liebe Gattin! Wenngleich ich dir schon vor einigen Tagen schreiben wollte, fand ich hierzu nie eine Zeit und du wirst sicherlich für mich sehr bekümmert gewesen sein. Zu Prad (Anm. Ort im Vinschgau), wo wir nur drei Tage verbleiben konnten, erhielt ich am 10. dieses Monats den Befehl, am 11. nach Latsch und am 12. nach Meran und am 13. nach Bozen, wo ich die weiteren Weisungen erhalten werde, zu marschieren. Obwohl sehr heiß, ging der Marsch bis Bozen ziemlich gut. Vor Bozen wurde die Kompanie vom Herrn Adjutanten des Herrn Generalmajors Kostillioni empfangen, welcher die Mannschaft mit Wein traktierte. Von Musikklang begleitet, zogen wir in die Stadt hinein. Ich ersehe, mein liebes Weib, dass du für mich sehr besorgt und bekümmert bist. Weiters, dass du dich mit den Kindern mit Ausnahme des Tonele gesund befindest, was Gott sei Dank das Beste ist, was mich in meiner Lage erleichtert. Mit Freude vernehme ich auch deine Vorkehrungen, welche du in den Feldungen hast. Wie schaut es mit dem Obst aus, gibt es eines? Betet für mich sowie ich euch im Gebete einschließen werde. Dein treuer Nikolaus Wachter.“
Diesen (gekürzten) und weitere Briefe hatte der Schützenhauptmann wenige Tage vor dem Gefecht am 22. Juli 1866 bei Le Tezze (Val Sugana) an seine Gattin Anna geschrieben. Sie war Wirtin im Gasthaus Andreas Hofer in Landeck/Perfuchs. Es war die Zeit von Giuseppe Garibaldi (1807 bis 1882), der Mitte des 19. Jahrhunderts für einen unabhängigen italienischen Nationalstaat kämpfte. Südtirol, Venetien und das Trentino gehörten zu Österreich. Eine 116-köpfige freiwillige Schützenkompanie aus dem Gerichtsbezirk Landeck unter der Führung von Wachter konnte ein haushoch überlegenes italienisches Heer kurzfristig stoppen. Zehn Schützen aus dem Bezirk Landeck fielen in dem ungleichen Kampf. Zu deren Gedenken entstand am Landecker Friedhof die am 22. Juli 1869 eingeweihte Landesverteidiger- bzw. Herz-Jesu-Kapelle.
Anna Wachter schrieb am 14. Juli 1866 (gekürzt): „Mein lieber guter Mann! Nach dem mir gestern 6 Uhr abends aus Bozen zugekommenen Telegramm befindest du dich heute in Trient. Dass ich an allem Anteil nehme, darfst du dir mit Gewissheit denken. Gestern abends war eine Gesellschaft von Beamten hier, der Herr Bezirksvorsteher, Herr Aktuar und Herr Förster Moriggl. Selbige brachten mir die Nachricht, dass bei Wormia, wohin die unsrigen Jäger und, wie sie sagten, Feldkircher Schützen requirieren gegangen seien, von den Welschen angegriffen worden seien. 40 Schützen und Jäger sollen gefallen sein. Schreibe mir bald wieder. Mit herzlichem Gruße von den Kindern und mir, ich bin in sichtlicher Eile, deine treue Gattin.“ Den vollständigen Briefwechsel mit ca. 20 Original-Schriftstücken zusammengestellt und bearbeitet hat Ehrenlandeskommandant Emmerich Steinwender. Bäckermeister Alfons Wachter, ein Ur-Urenkel von Nikolaus Wachter, hat das Dokument der TT zur Verfügung gestellt.



