04.08.2012
Schwaz

Wenn der Kuhmist zum Himmel stinkt

Während in der Zillertaler Gemeinde Schwendau die Kuhfladen auf der Straße die Radfahrer zum Slalomfahren zwingen, stinkt es den Kramsachern durch ständiges Aufbringen von Gülle zu sehr und oft.

Von Michael Mader

Schwendau, Kramsach – Vor ein paar Jahren beschäftigten die tierischen Hinterlassenschaften sogar den Gemeinderat in Schwendau. Einige Straßen des idyllischen Zillertaldorfes waren nämlich derart mit Kuhfladen und Jauche verschmutzt, dass es nicht nur zahlreiche Beschwerden von Bürgern gab, sondern Bürgermeister Franz Hauser laut darüber nachdachte, ob er die Halter der Dreck verursachenden Kühe nicht zur Kasse bitten solle.

Die Drohungen nützten aber nicht allzu viel: Mittlerweile hat sich die Situation zwar ein wenig gebessert, das führt Hauser aber eher auf die trockene Witterung in den vergangenen zwei Jahren im Frühjahr und Herbst zurück, wenn in Schwendau der Viehtrieb stattfindet. „Es hat Gespräche mit den Bauern gegeben und wenn jetzt Mist auf den Feldern aufgebracht wird, gibt es schon den einen oder anderen, der dann auch einmal den Dreck auf der Straße wegräumt“, erklärt der Dorfchef.

Nach den Viehtrieben habe aber hauptsächlich die Gemeinde die Reinigung übernommen. Die ganzen Ställe seien eher im Dorf, die Felder aber eher im Randbereich, das sei halt ein Problem. Hauser fordert deshalb nach wie vor auch einen Beitrag von Seiten der Landwirtschaft ein. „Wir können nicht alle Tage mit dem Spritzwagen fahren. Wenn es ein wenig mehr Miteinander gäbe, würden die Bauern auch mal eine Schaufel mitnehmen und das Schlimmste zur Seite räumen“, meint Hauser.

Ebenfalls ein Problem mit den Ausscheidungen der Rindviecher gibt es in der Unterländer Gemeinde Kramsach. „Von März bis Oktober ist der Bauer am Feld, das war immer so. Nur neuerdings vermehrt mit schwerstem Güllegerät und in immer kürzeren Intervallen. Die Strukturreform hat auch vor den Bauern nicht Halt gemacht, Wachstum ist angesagt, zumindest im Unterinntal: mehr Vieh im neuen Stall mit dazu gepachteten Feldern, gereinigt wird mit viel Wasser. Der gute alte Misthaufen gehört der Vergangenheit an. Was bleibt, ist Gülle im Übermaß“, ärgert sich der Kramsacher Toni Huber.

In dem Gebiet, wo er wohne, würde auf den Feldern seit Mitte März praktisch wöchentlich Gülle ausgebracht und das von vier Landwirten. Huber: „Nach jeder Mahd oder auch nach der teilweisen Mahd eines Feldes wird gesurt, mit Vorliebe am Wochenende und abends.“ Das sei kein Angriff von ihm auf die Bauern, sondern auf das System, das hier keinerlei Regelung vorsieht. Er erwartet sich als Bürger Regelungen für derartige Belästigungen, die weit über das ortsübliche Ausmaß hinausgehen würden. Laut Auskunft der Bezirksbehörden würde die Anzahl der Beschwerden ständig zunehmen.

Huber habe auch schon bei Bürgermeister Manfred Stöger urgiert: „Bislang aber ohne Erfolg.“ Kein Wunder, für Stöger gehört das Suren der Felder ganz einfach zu Tirol.

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger kennt die Problematik: „Es gibt einen Wandel vom Festmist zur Gülle, aber auch genaue Richtlinien. Von 30. November bis mindestens 15. Februar gibt es ein Aufbringungsverbot.“ In der Zwischenzeit müsste die Düngeaufbringung auf den Parzellen durch die Landwirte genau aufgezeichnet werden. Auch hier gebe es klare Grenzen.

Hechenberger bietet aber an, sich mit den betroffenen Anrainern der Gemeinde Kramsach zusammenzusetzen, um die Problematik genauer zu beleuchten.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 04.08.2012
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