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Naturgefahren

Neue Perspektiven für das Leben mit Naturgefahren

Tirol und Südtirol gehen neue Wege im Schutz vor Naturgefahren. Ein Pilotprojekt im Wipptal zeigte Möglichkeiten für das ganze Land auf.

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Von Christoph Mair

Innsbruck – Lawinen und Wildbäche bedrohen den Siedlungsraum Tausender Menschen in Tirol. Nicht jede Gefahr kann mit Verbauungen entschärft werden, weder technisch noch finanziell. Dennoch gelte es, den Menschen eine Perspektive zu geben, in den Tälern zu bleiben und ihren Lebensraum zu entwickeln, betont Siegfried Sauermoser, Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung in Tirol (WLV).

Genau hier setzt das grenzübergreifende Pilotprojekt mit dem sperrigen Kürzel IREK (Integrales Raumentwicklungskonzept) an. Drei Jahre lang analysierten Experten das Gefahrenpotenzial ausgewählter Bereiche des Wipptals nördlich und südlich des Brenner. Erstmals seien alle befassten Stellen fach- und länder­übergreifend sowie unter starker Einbeziehung der Bevölkerung zu einer Risikoeinschätzung gekommen.

Das sei nicht immer so gewesen, sagt Sauermoser. Es sei schon vorgekommen, dass der Flächenwidmungsplan einer Gemeinde vor dem Gefahrenzonenplan erlassen worden sei. Die Risikoanalysen, die für das Projektgebiet vorliegen, seien zudem mehr als ein Gefahrenzonenplan, sagt Sauermoser. Denn die Einschätzungen drückten auch aus, welche Schäden eine Lawine oder ein Wildwasser verursachen kann, wie viele Häuser bedroht sind etc. und leitet daraus die Dringlichkeit von Maßnahmen ab, die nun umgesetzt werden sollen.

Dabei, betont Sauermoser, müsse es nicht immer und überall um Verbauungen gehen. „Es kann auch um temporäre Maßnahmen wie Straßensperren oder Evakuierungen gehen.“ Dabei gehe es auch darum, bei den Betroffenen das Verständnis für diese oder jene Vorgangsweise zu schärfen. Sauermoser will den neuen Zugang auch auf andere Regionen übertragen.

In Südtirol hätten sich Erkenntnisse des gemeinsamen Interreg-Projekts, dessen Kosten in Höhe von einer Million Euro gut zur Hälfte von der EU getragen worden sind, bereits bezahlt gemacht, berichtet Rudolf Pollinger vom Amt für Schutzwasserbau in Bozen. „Das Abarbeiten der Unwetter heuer im Sommer wurde wesentlich erleichtert, weil sich die maßgeblichen Personen gekannt und gewusst haben, was sie tun.“

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