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Nachruf

Trauer um Stenico: Beim „Bertl“ kamen die Menschen zuerst

Nach dem tödlichen Unfall des Landecker Bürgermeisters Bertl Stenico herrscht tiefe Betroffenheit. Der Politiker ist Sonntagnachmittag in Flirsch beim Wandern abgestürzt.

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Landeck – Nur in „amtlichen Notfällen“ haben die Leute Engelbert zu ihm gesagt. In seiner Heimatstadt Landeck und weit darüber hinaus war er schlicht der „Bertl“ – seit seiner Kindergartenzeit.

Bertl Stenico ist in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus aufgewachsen. Egoismus und Streit waren ihm schon im Sandkasten fremd, Teilen stand im Vordergrund. Nach der Handelsschule in Imst arbeitete er als Angestellter der Tiroler Gebietskrankenkasse. Sein politisches Interesse wuchs beim Landecker Politstammtisch, den sein Freund Walter Guggenberger 1975 gegründet hatte. In dieser Zeit begann Stenicos Engagement in der Jugend- und Kulturarbeit.

Eher unspektakulär war sein Aufstieg in der Kommunalpolitik. Der Paukenschlag folgte im März 1998: Stenico gewann gegen den amtierenden ÖVP-Bürgermeister Reinhold Greuter, der allerdings erkrankt war. Sein bestes Ergebnis fuhr Stenico 2004 ein: Fast 70 Prozent der Landecker kürten ihn zum Stadtchef, die SPÖ holte die Absolute mit 60 Prozent.

Unvergesslich bleibt sein größter humanitärer Einsatz: Stenico hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass das Landecker Asylwerberheim kurz vor Weihnachten 2003 eröffnet werden konnte. Der Verstorbene hinterlässt Gattin Beatrix und drei Kinder. (hwe)

Reaktionen zum Tod von „Bertl“ Stenico

LH Günther Platter (VP) und LHStv. Gerhard Reheis (SP): Engelbert Stenico war ein äußerst engagierter Bürgermeister, der für die Anliegen der Menschen immer offene Ohren hatte, seine Aufgaben auf ruhige und besonnene Art und zugleich mit viel Herzblut erfüllte. Weit über die Parteigrenzen hinaus wurden ihm Respekt und große Wertschätzung entgegengebracht. Die Bürgerinnen und Bürger von Landeck trauern um ihren Bürgermeister und das Land Tirol teilt diese Trauer. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.

Ingrid Felipe (Grüne Landessprecherin): Wie er sich für die Unterbringung von Flüchtlingen in Landeck – gegen Widerstände des rechten Lagers – eingesetzt hat, verdient großen Respekt. Denn es standen damals Wahlen vor der Tür. Jedem Populismus trotzend hat sich Engelbert Stenico für einen wichtigen Beitrag zur Menschlichkeit entschieden.

Georg Schärmer (Caritas Direktor): Engelbert Stenico war ein warmherziger Mensch, der das Ohr und das Herz bei den Menschen hatte und die Zeichen der Zeit erkannte. Er war ein Mann der Zivilcourage, der es verstand, abseits jeglichen Populismus mit klaren Werten, großer Humanität und hoher Verbindlichkeit zu handeln. Sein Ableben ist ein riesiger Verlust und der Auftrag, seine Lebenshaltung, seine Toleranz und sein beherztes Engagement weiterzutragen.

Hans-Peter Bock (BM Fließ und SP-Bezirkschef): Es ist tragisch und ein riesiger Verlust für die SPÖ. Wir haben einen Menschen verloren, der mit beiden Beinen am Boden gestanden ist. Wir sind gleich lang Bürgermeister. Ich kenne ihn seit Ewigkeiten.

Hubert Niederbacher (Landecker Stadtrat, SP): Der Unfall hat eine Lücke hinterlassen, die nicht mehr geschlossen werden kann. Nicht nur politisch, sondern auch menschlich.

Ahmet Demir, (Landecker Gemeinderat, Grüne): Für mich war unser Bürgermeister vor allem eines: ein Mensch mit einem herausragenden Charakter. Einer, der klare Werte vertreten hat. Einer, der für Menschlichkeit gestanden ist. Die hohe Zustimmung sowohl in Landeck als auch im ganzen Tiroler Oberland zeigt, wie sehr es ihm gelungen ist, das Gemeinwohl in den Mittelpunkt seines politischen Handelns zu stellen.

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