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Innsbruck

Millionenbetrug für Fußballklub - Fünfeinhalb Jahre Haft

Ein Vorarlberger AWD-Vermögensberater brachte Anleger um 2,9 Millionen Euro. 1,5 Millionen sollen dabei in seinen Fußballklub geflossen sein.

Innsbruck, Feldkirch – An Dreistigkeit kaum zu überbieten ist wohl ein bekannter Vorarl­berger Vermögens­berater, der einst im Dienste des AWD (Allgemeiner Wirtschaftsdienst) stand. Am Mittwoch musste sich der 57-Jährige nämlich wegen gewerbsmäßig schweren Betruges, Veruntreuung und Untreue am Innsbrucker Landesgericht – und nicht in Vorarlberg – verantworten, da er auch nicht davor zurückgeschreckt war, einen hohen Justizmitarbeiter aus dem Ländle übers Ohr zu hauen.

Der Agent wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt, bei einem Strafrahmen von zehn Jahren ein milderndes Urteil aufgrund eines umfangreichen Geständnisses. Zuvor hatte ein hochrangiger AWD-Vertreter betont, dass der Agent und Finanzberater zwar rund 1000 Kunden für die AWD betreut habe, er aber kein direkter Angestellter gewesen sei. Trotzdem werde überlegt, einige Opfer zu entschädigen.

Einige Opfer hörten am Mittwoch mit versteinerter Miene den Aussagen des nach außen hin elegant und sportlich wirkenden Angeklagten verständnislos zu. Der Vorarlberger zeigte sich vor Gericht reuig. „Ich bin seit sieben Monaten in Untersuchungshaft und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Ich möchte mich bei den Geschädigten entschuldigen“, sagte er.

Sein Wunsch sei es, dass alle das verlorene Geld wieder zurückbekommen würden. Das Urteil ist vorerst nicht rechtskräftig: Der 57-Jährige erbat drei Tage Bedenkzeit.

Die Hintergründe sind kurios und fast schon filmreif: So war der Vermögensberater Präsident des FC Koblach, in den er innerhalb von ein paar Jahren laut Anklage nicht weniger als 1,5 Millionen Euro gepumpt hatte. Dazu hatte der einst so erfolgreiche Finanzdienstleister in Zeiten der Börsengoldgräberstimmung auch in Feldkirch zwei Büros mit zwanzig Mitarbeitern eröffnet, die sich nach Investitionen von über fünf Millionen Schilling allerdings als Millionengrab erwiesen. Laut Angaben des fast voll geständigen 57-Jährigen – es gilt trotzdem die Unschuldsvermutung – waren dies alles Mitauslöser der künftigen Malversationen von 2001 bis 2011.

Auf Anfrage der TT beschreibt Staatsanwalt Hansjörg Mayr das System des Mannes: „Der Angeklagte hat Mitarbeiter von Depotbanken durch mit Namen seiner Kunden verfälschte Verkaufsanträge zur Auszahlung von Geldern gebracht. Diese landeten dann wiederum auf Sparbüchern, die der Mann auf die Namen der jeweiligen Kunden eröffnete, aber auf die er alleine zugriffsberechtigt war. Durch die nach­folgende Behebung richtete er dann einen Schaden von zumindest 2,9 Millionen Euro an.“

Schon seit 2009 hatte der Vermögensberater übrigens täglich mit seiner Verhaftung gerechnet. Laut dem Innsbrucker AWD-Anwalt Michael Hohen­auer bestünde jedoch auch eine Mitschuld der leichtfertig agierenden Banken. Bei allen zwei involvierten Instituten ermittelt übrigens die Finanz­marktaufsicht. (fell, APA)