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Ermittlung eingestellt

Mordfall um Rotlicht-Größe Auer bleibt weiterhin ungeklärt

22 Jahre nach der Ermordung des Innsbrucker Zuhälters Anton Auer hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen einen Innsbrucker eingestellt. Das Gewaltverbrechen bleibt somit ungeklärt. Zumindest vorerst.

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Innsbruck - Der Mordfall Anton Auer gilt weiterhin als ungeklärt. „Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen mich eingestellt“, sagt ein 51-jähriger Innsbrucker, der im Sommer 2011 – 22 Jahre nach dem Gewaltverbrechen – in den Fokus des Landeskriminalamtes geraten ist.

Der Mann wurde Anfang Mai sogar kurzfristig festgenommen, nach zwei Tagen im Polizeigefängnis aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Indizien, mit denen die Staatsanwaltschaft den Antrag auf Verhängung der Untersuchungshaft begründete, waren dem Landesgericht zu vage.

„Der Mann stand unter Verdacht, der Bestimmungstäter (Anstifter; Anm.) zu sein, der den Hauptverdächtigen, einen vor zehn Jahren verstorbenen Innsbrucker, zum Mord angestiftet hat“, präzisiert Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, den Hintergrund für die Ermittlungen: „Das Verfahren wurde aber jetzt beendet.“

Wie andere Medien berichten, behauptet die Staatsanwaltschaft nun, dass sich der Verdacht gegen den Verstorbenen „Bekannten des Zuhälters“ erhärtet habe – der Fall sei nun „geklärt“.

In der Lohbachsiedlung regelrecht hingerichtet

Anton Auer, ein stadtbekannter Zuhälter und Geldverleiher, wurde Ende Oktober 1990 in seinem Haus in der Innsbrucker Lohbachsiedlung regelrecht hingerichtet. Mehrere Schüsse in den Kopf und in den Oberkörper beendeten das Leben der Rotlichtgröße.

Wie die Kripo damals annahm, dürfte Auer von einem Bekannten erschossen worden sein. Einem Unbekannten hätte der 41-Jährige wohl kaum spätabends im Bademantel die Haustür geöffnet. Weiters fanden die Beamten heraus, dass der Zuhälter vermutlich mit seiner eigenen 7,65-Millimeter Pistole erschossen worden war. Ein Schalldämpfer verhinderte, dass die Nachbarn aufgeschreckt wurden.

Obwohl die Polizei eine Belohnung von 50.000 Schilling für entscheidende Hinweise aussetzte, gerieten die Ermittlungen rasch ins Stocken. Niemand redete, kein Zeuge meldete sich. Der Kreis der möglichen Verdächtigen war groß - als Geldverleiher (mit Wucherzinsen) und Rotlicht-Größe hatte Auer unzählige Feinde und Rivalen.

Kurzfristig geriet auch Auers Witwe - eine stadtbekannte Edelprostituierte - in den Fokus der Ermittler. Die 2010 verstorbene Innsbruckerin saß zwar zum Tatzeitpunkt im Polizeigefängnis. Dieses Alibi schützte sie aber nicht vom Verdacht, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Ermittlungen wurden allerdings ergebnislos eingestellt.

Beinahe-“Geständnis“

Der Innsbrucker, der vor eineinhalb Jahren ins Visier der Ermittler geriet, war quasi der Nachfolger des Mordopfers. Nach dem gewaltsamen Tod Auers ging der heute 51-Jährige eine Beziehung mit der Witwe ein. Das Paar blieb 18 Jahre zusammen.

Im Sommer 2011 nahmen Beamten des Landeskriminalamtes einen neuerlichen Anlauf, den Fall doch noch zu klären. Eine verdeckte Ermittlerin nahm Kontakt zum Ex-Freund der Witwe auf und versuchte als angebliche Studentin, sein Vertrauen zu gewinnen.

Bei einem ausgiebigen Lokalbesuch im April soll sich der Verdächtige gegenüber der hübschen „Studentin“ gebrüstet haben, dass ihn viele für Auers Mörder halten. Dieses Beinahe-“Geständnis“ führte dann zum zweitägigen Gefängnisaufenthalt. (tom)

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