„Das Einzige, das leistbar ist“
Innsbruck– Die Mutter von Andrea F. leidet unter Alzheimer und Leukämie. Lange versuchten die fünf Kinder, ihre Mutter gemeinschaftlich und mithilfe des Sozialsprengels zu betreuen. „Schließlich konnte sie aber nicht mehr alleine leben und die 24-Stunden-Pflege durch eine Ausländerin erschien uns als einziges Angebot, das für uns leistbar ist“, erzählt Andrea F.
Die Kosten betragen 1935 Euro im Monat, darin sind Sozialversicherung, Finanzamt, Fahrtkosten und Vermittlungsgebühr enthalten. Die Personenbetreuerin, eine 50-jährige Bulgarin, bekommt zusätzlich Kost und Logis. Nur ein Teil der Kosten sind durch Pflegegeld und die Mindestpension gedeckt. Es gibt auch eine Unterstützung vom Bund (siehe Kasten). Die Mutter ist nicht bettlägrig, braucht aber Unterstützung beim Duschen und beim Gang auf die Toilette. Für medizinische Leistungen wie Injektionen wird der Hausarzt oder der Sozialsprengel beigezogen. „Wir sind sehr zufrieden, die Bulgarin geht sehr liebevoll mit unserer Mutter um“, sagt Andrea F. Im Altenheim könnten sich die Pfleger sicher nicht so viel Zeit für die alten Menschen nehmen. Die Familie versuche die Bulgarin, wo es gehe, zu entlasten. „Wir besuchen die Mutter regelmäßig, da kann sich die Betreuerin erholen. Sie hat auch einen freien Tag, an dem sie sich mit anderen Bulgarinnen treffen kann.“
Am Anfang hatte Andrea F. Skrupel, eine Ausländerin einzustellen, die für ihren Fulltime-Job 1000 Euro im Monat erhält. „Diese Frauen werden aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen“, macht sich Andrea F. ihre Gedanken. „Unser reiches System müsste es sich eigentlich leisten können, selbst auf unsere alten Menschen zu schauen.“ (pla)
aktualisiert: Do, 31.01.2013 10:00





