25.01.2013
Kufstein

Gratiskarten für Schüler gestrichen

Die Alpbacher Bergbahnen gewähren nach der Fusion mit Wildschönau nur noch Pflichtschülern aus den Standortgemeinden Gratisfahrten. Der Ärger darüber ist bei Schulen und Eltern in der Region groß.
Die Pöglbahn in Alpbach ist für die Pflichtschüler aus Radfeld und Münster nicht mehr gratis.Foto: Otter
Foto: Otter

Von Wolfgang Otter

Alpbach – Die E-Mail, die Anfang des Jahres bei der Radfelder Volksschuldirektorin Elisabeth Wöll einlangte, war für ihre Schüler nur wenig erfreulich. Die Bergbahnen Alpbach haben Wöll, laut ihren Worten, in der Nachricht mitgeteilt, dass es ab nun für Schüler keine Gratisliftkarten mehr gebe, eine Dreistundenkarte würde nunmehr bis zu 13 Euro kosten. „Ich hab­e darauf geantwortet, dass wir dann ganz sicher nicht mehr nach Alpbach Ski fahren gehen werden“, schildert die Direktorin gegenüber der TT ihre Reaktion. Drei Wochen später hatte sie dann eine Antwort-E-Mail auf dem Computerbildschirm. Darin wurde mitgeteilt, dass die Karte nun doch nicht mehr bis zu 13 Euro, sondern fünf Euro koste. „Das haben wir zwar akzeptiert, aber öfter als zweimal im Winter gehen wir jetzt sicher nicht mehr zum Skifahren“, ärgert sich Direktorin Wöll.

Auch an der Volksschule Münster ist man über die Änderung wenig erfreut. Auch hier hat man beim 13-Euro-Preis abgewinkt. „Schwimmen ist für die Kinder lebensnotwendig, das werden wir immer gehen, aber Skifahren muss nicht unbedingt sein“, stellt Volksschuldirektorin Ros­witha König klar. Man hab­e das Gratisangebot bislang ausgiebig genutzt. Je nach Schneelage bei einem der zu den Bergbahnen gehören­den Lifte in Kramsach, Reith oder Alpbach.

Peter Hausberger, Geschäftsführer der Alpbacher Bergbahnen, begründet das Streichen der Gratiskarten mit der Fusion mit den Wildschönauer Bergbahnen zum „Skijuwel“. „Wir haben uns erkundigt, wie das in der Wildschönau gehandhabt wird. Und dort haben nur die örtlichen Schulen Gratis­fahrten“, erklärt Hausberger. Daher haben auch die Alpbacher Bergbahnen das Gratis­kontingent auf die örtlichen Schüler begrenzt. Dazu gekommen sei dann auch noch Brixlegg. Für die anderen Schulen wie Radfeld und Münster biete man nun aus Ausgleich den günstigen Tarif an. Aber auch für Brixlegg ist „es nicht mehr selbstverständlich wie früher, dass man kostenlos fahren darf, das geht nur noch auf Anfrage“, erklärt Hausberger. Noch einen Grund führt der Bergbahnchef für das Streichen der Gratisfahrten an: Er habe registriert, dass das Angebot nicht wertgeschätzt werde, es sei nie eine positiv­e Rückmeldung dazu seitens der Schulen gekommen.

„Ich glaube nicht, dass alle anderen Bahnen, die Schüler gratis fahren lassen, immer jährlich eine Dankesmail dafür erhalten“, meint dazu König. Immerhin machen die Schulen auch Werbung für die Lifte. Und das im doppelten Sinn: Die Kinder lernen nicht nur das Skifahren, sondern auch die Skigebiete kennen. Mit dem möglichen Ergebnis, dass die Kinder auch in der Freizeit mit den Eltern als Kunden wiederkommen.

An und für sich hatte die Tiroler Seilbahnwirtschaft sich darauf verständigt, Gratis­karten für Schulklassen auszugeben, um den Sport weiter zu fördern. „Das war aber nur eine Empfehlung“, sagt Walter Eisenmann, Chef der Söller Bergbahnen. In Söll können Schüler bzw. deren Eltern die Brieftasche stecken lassen. Vorausgesetzt, sie kommen als ganze Klasse zum Ski­fahren; Eisenmann weiß auch, dass sich an die achtzig Prozent der Bergbahn­betreiber im Land Tirol an diese Empfehlung halten.

Die Intention dieses Angebots sei, „zum einen die sportliche Betätigung zu fördern und dabei den Kindern die Freude und die Leidenschaft für das Skifahren zu vermitteln und zu erhalten, damit diese das auch an Besucher und Gäste des Landes weitergeben können“.

Für die Radfelder und Münsterer Volksschulen ist das Angebot der Söller Bergbahnen oder auch der Lifte im Zillertal jedoch nur schwer anzunehmen. „Es ist durch die Entfernung logistisch fast nicht zu bewältigen“, sagt zum Beispiel Wöll.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 25.01.2013
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