In durchnässten Hängen schlummert ein Risiko
Von Christoph Mair
Innsbruck – Der Frost ließ mittlerweile auch die zuletzt in Bewegung geratenen Hänge erstarren. Doch zahlreichen Betroffenen und Einsatzkräften stecken die ersten Tage des neuen Jahres noch in den Knochen. Außergewöhnlich milde Temperaturen und heftiger Regen ließen Felsen zu Tal stürzen und Hänge abrutschen. Besonders betroffen war das Tiroler Unterland, wo sogar Häuser vorübergehend evakuiert werden mussten.
Selbst für den Chef der Landesgeologie war der laufende Jänner 2013 schon außergewöhnlich. „Wir hatten im ganzen Jänner 2012 sieben Einsätze, heuer waren es bisher schon 20.“ Die Verdreifachung ist für den Fachmann erklärbar. Der Grundstein für die anhaltend angespannte Situation sei schon im vorangegangenen Winter gelegt worden. Die frühe dicke Schneeschicht habe damals wie eine Isolierung gewirkt und verhindert, dass der Boden gefriert. Bei der anschließenden Schneeschmelze konnte das Wasser ungehindert in den Untergrund eindringen. Weitere ergiebige Niederschläge verschärften die Situation zusätzlich. Seither seien die Hänge mit Wasser regelrecht vollgesogen und kaum noch aufnahmefähig.
Der aktuelle Frost sorge immerhin für eine vorübergehende Entspannung, ist Heißel erleichtert. „Die Kälte bindet das Wasser als Eis, wodurch es weitgehend unwirksam wird.“ Das zeige sich auch daran, dass aktuell so gut wie keine Rutschungen zu verzeichnen sind. Doch die Gefahr sei damit noch nicht gebannt. „Leider ist der Boden wieder so gut wie nirgends gefroren.“ Das werde sich jetzt auch nicht mehr ändern, ist sich Heißel sicher. Die Voraussetzungen seien „ähnlich ungünstig“ wie im Vorjahr, als sich die instabilen Hänge schließlich in einem heftigen Murensommer entluden. Wenigstens sei aktuell die Schneemenge geringer als im vorangegangenen Winter, betont Heißel, dass kein Anlass zur Panik besteht. Allerdings komme es stark darauf an, wie die Schneeschmelze abläuft. Und auch darauf, wie viel Niederschlag noch dazukommt. „Ich hoffe auf ein trockenes Frühjahr“, sagt Heißel. Intensive Niederschläge könnten die Hänge wieder bedrohlich in Bewegung geraten lassen.



