25.07.2011
Wetterextrem

Der Sonntag war der kälteste Julitag seit 25 Jahren

Schnee in den Bergen, maximal 13 Grad in den Tiroler Tälern: Der Sonntag war der kälteste Julitag in den vergangenen 25 Jahren. Das war die gute Nachricht. Die schlechte: Es wird kaum besser.
Wanderer im Silvrettagebiet: Warme Jacken und feste Schuhe waren am Wochenende in den Bergen ein Muss. Kein Wunder bei Temperaturen um den Gefrierpunkt.Foto: Zangerl

Innsbruck – Minus fünf Grad auf der Zugspitze, minus ein Grad am Patscherkofel, Schnee ab 1700 Metern Seehöhe, in Osttirol liegen bereits 20 Zentimeter in den Bergen:

Ein Wetterbericht, der sich nach Anfang November anhört. „Ich spreche aber vom 24. Juli“, sagt Meteorologe Christoph Zingerle von der Wetterdienststelle Innsbruck (ZAMG).

Und dieser 24. Juli dürfte in die Tiroler Wettergeschichte eingehen – als kältester Julitag seit 25 Jahren. „Wir hatten im Inntal 11 bis 13 Grad“, erläutert Zingerle. Der bisherige Rekordtag, was die Julikälte angeht, lag einen halben Grad darüber.

Dennoch herrschten in den Tälern kuschelig warme Temperaturen im Vergleich zum Brunnenkogel – in 3400 Metern Seehöhe fror das Thermometer bei sechs Grad unter Null ein. Am Pitztaler Gletscher (2800 Meter) war‘s mit minus drei Grad nur unwesentlich wärmer.

Am Großglockner mussten die Autofahrer am Sonntag sogar Schneeketten anlegen, um über die Hochalpenstraße zu kommen – Kettenpflicht. Das Timmelsjoch (2700 Meter Seehöhe) am Ende des Ötztals blieb allerdings den ganzen Sonntag über frei befahrbar.

In den Freibädern herrschte am gesamten Wochenende gähnende Leere, an die Ufer der Tiroler Badeseen verirrten sich am Sonntag bestenfalls ein paar Spaziergänger. Und sogar die trugen warme Jacken über den sommerlichen T-Shirts.

Wer sich in die Tiroler Berge wagte, benötigte nicht nur die entsprechende Kleidung, sondern auch wetterfeste Schuhe für den Schnee – zumindest ab 1700 Metern Höhe.

„In Osttirol waren‘s 20 Zentimeter Neuschnee, in Nordtirol in Richtung Alpenhauptkamm fielen ebenfalls einige Zentimeter“, erklärt Meteorologe Zingerle.

Ungewöhnlich sind Wintereinbrüche im Tiroler Hochsommer keineswegs – etwa alle zwei Jahre verziert eine Zuckerhaube im Juli oder August für einige Tage die heimischen Berge.

Die wirklich schlechte Nachricht: „Der Hochsommer ist noch immer nicht in Sicht“, sagt Christoph Zingerle: „Die Temperaturen steigen zwar langsam an, am Montag wird‘s weitgehend trocken sein. Aber unterm Strich bleibt‘s für die nächsten Tage wechselhaft und zu kühl für die Jahreszeit.“ Also von Badewetter weiterhin keine Spur.

Dass die Temperaturen an den verbleibenden sechs Julitagen noch über die 30-Grad-Marke klettern, gilt in den Meteorologenkreisen als äußerst unwahrscheinlich. Bleibt also nur noch die Hoffnung auf einen warmen August. Wer allerdings ganz sicher gehen will, muss doch noch in ein Flugzeug steigen und in Richtung Süden reisen. Über Italien hängen zwar ebenfalls die Wolken, aber wenigstens sind die Temperaturen (25 Grad) höher. (TT)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 25.07.2011
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