29.08.2011
Innovation

IFA-Trends: Vernetzt und aufgedreht

Internationale Funkausstellung in Berlin: Handy, Internet und Unterhaltungsgeräte wachsen endgültig zusammen. Die Trends versprechen mehr Komfort sowie höhere Medienvielfalt.

Von Georg Holzer

Berlin – Am kommenden Freitag beginnt in Berlin die Internationale Funkausstellung. Die IFA gilt neben der Consumer Electronics Show in Las Vegas (Anfang Jänner) als wichtigste Messe der Unterhaltungsindustrie. Hier werden neue Produkte gezeigt, die Trends markieren. Ob sich diese Trends allerdings durchsetzen, ist nicht gesagt. Die Branche wurde kurzweiliger, Innovationen werden in schnellerer Abfolge vorgestellt, als dazupassende Produkte an potenzielle Käufer gebracht werden können. Und einiges wiederholt sich auch gebetsmühlenartig von Jahr zu Jahr.

1 TV & Heimkino: Die Vernetzung ist nicht mehr aufzuhalten. Beinahe jedes Gerät in der Nähe von Fernseher oder Stereoanlage hat einen Netzwerkstecker für die Verbindung zum Internet. Sie werden Videotheken in absehbarer Zeit gänzlich überflüssig machen. Beinahe jeder Hersteller von Fernsehgeräten integriert einen Online-Filmverleih. Gegen Bezahlung von ein paar Euro lässt sich jeder Blockbuster über das Netz ansehen.

Freilich ist auch 3D weiterhin ein Megatrend – allerdings weniger beim Kunden als bei den Anbietern. Damit sich das ändert, wollen LG, To­shiba und Philips die nötigen Brillen billiger und leichter machen. Die Pol-Technik hat aber einen entscheidenden Nachteil: Statt der Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 kommen nur 1920 x 540 Pixel heraus. Marketingtechnisch werden die beiden Bilder pro Auge à 540 Pixel Höhe einfach multipliziert. Siehe da: Full HD! Panasonic, Samsung und Sony wollen ihre Shutterbrillen vereinheitlichen und so ebenfalls für günstigere Preise sorgen.

Bei den Display-Panels gibt es nur granulare Neuerungen. Philips vermeidet Reflexionen auf der Mattscheibe durch eine neuartige Oberfläche, die man sich von Mottenaugen abgeschaut hat. Nach Aussage einiger Tester soll das sehr gut funktionieren. Weniger Bedeutung sollte man so mancher anderer Kennzahl beimessen. So werben TV-Gerätehersteller demnächst mit fantastischen Bildwiederholraten von bis zu 800 Hertz. Wohl einziger Effekt im Vergleich zu etwa 200 Hertz: Die Geräte sind teurer.

Fernbedienungen werden zwar noch mitgeliefert, allerdings immer öfter beim Kunden durch Apps für Smartphones und Tablets ersetzt. Die VideoNet App von Loewe etwa hilft bei der Videoauswahl. Mit einem Fingerwischer sind Filme vom iPad auch gleich am Fernseher. Android-Apps von Samsung sollen bald sogar das laufende TV-Bild am Handy- oder Tablet-Display zeigen.

Apropos Apps: Die ziehen auch immer mehr am Fernseher ein. Zwar bieten vernetzte TV-Geräte schon einiges, die wichtigsten Player – Google und Apple – werden schon bald für einen Boom sorgen.

2 Hi-Fi & Audio: Wie jedes Jahr wird Apple der große Abwesende sein. Dabei gibt es neue Apps und Zubehörgeräte für iPhone und iPad auf der IFA seit Jahren an jeder Ecke. Seit letztem Jahr ist der Konzern noch mehr mit der Unterhaltungselektronik verwoben: Musik wird immer öfter auf AirPlay-fähige Boxen und Soundsysteme übertragen. Nicht nur bessere Aktivlautsprecher beherrschen das, eine stattliche Anzahl an HiFi-Anlagen wird bereits mit der Apple-Technik ausgeliefert.

Viele Stereoanlagen bekamen in den letzten Jahren auch eine Anschlussmöglichkeit für iPhone und iPod. Damit kann man nicht nur Musik laut abspielen, sondern das Gerät gleichzeitig laden. Das enorme Übergewicht für Apple-Geräte will Philips mit einem Android-Dock brechen. Per Micro-USB-Stecker wird das Smartphone geladen. Der Ton muss den Umweg via Bluetooth-Funk nehmen, weil Android noch keine Audioübertragung per USB beherrscht.

Ganz analog geht‘s auch noch: Plattenspieler werden heuer bei so vielen Herstellern gezeigt, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

3 PC & Mac: Toshiba zeigt auf der IFA ein Notebook, bei dem man ganz ohne Brille in die dritte Dimension eintauchen kann. Das 3D-Bild kommt über eine Vielzahl von Linsen über den Pixeln zustande. Eine Kamera registriert Augenbewegungen und verstellt diese dynamisch. In Mode kommen auch Kombigeräte, die Tablet und Laptop vereinen. Benötigt man keine Tastatur, nimmt man das Display aus dem Gehäuse.

4 Foto & Video: Obwohl die Fotomesse Photokina ebenfalls im September stattfindet, zeigen einige Kamerahersteller spannende Neuheiten. Im Trend liegen Kameras für Spezialaufgaben. Sie haben entweder GPS eingebaut und zeigen auf einer Karte, wo der Schnappschuss entstand. Oder sie sind stoß- und wasserfest. Die gute Nachricht: Statt mehr Megapixeln gibt es bessere Bildqualität und clevere Funktionen der eingebauten Software. Die Spitzenmodelle von Canon und Nikon werden erst Mitte September auf der Spezialmesse gezeigt.

5 Handy & Tablets: Android, Android, Android – eine Vielzahl neuer Smartphones und Tablets mit dem Google-System feiert auf der IFA ihre Premiere. Erwartet werden neue Geräte von Samsung, HTC, LG oder Bil­lig­anbietern wie Huawei. Erstmals gibt es auch die neuen Sony-Tablets S1 und S2 zu sehen. Spannend wird auch , ob Microsoft sein „Mango“ genanntes Update für Windows Phone 7 loslässt. Es soll voraussichtlich im September erscheinen und zahlreiche Mängel beseitigen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 29.08.2011
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