21.02.2012, 09:28  Aktualisiert: 21.02.2012, 11:28 
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Staatsoberhaupt und Meistersegler: König Harald wird 75

Segeln, Jagen, Angeln: Der norwegische König Harald V. ist ein sportbegeisterter Mensch. Auch als Monarch fühlt er sich fit, noch lange weiterzumachen.
König Harald von Norwegen will seinen Geburtstag selbst nicht feiern.
Foto: EPA

Von Lennart Simonsson, dpa

Oslo – Das Rentenalter hat er schon lange überschritten. Aber ans Aufhören denkt Norwegens König Harald V. längst nicht. „Ich liebe es, zu arbeiten und beschäftigt zu sein. Ich möchte so lange weitermachen, wie es meine Gesundheit zulässt“, vertraute er kürzlich der Osloer Zeitung „Dagbladet“ an. Am heutigen Dienstag wird der Monarch 75 Jahre alt. Eine Party soll es aber nicht geben: „Ich bin nicht mehr sonderlich daran interessiert, Geburtstage zu feiern. Ist das nicht natürlich?“ Im Gegensatz zu seinem 70. Geburtstag wird Harald auch nicht in Norwegen sein. Er mache eine private Reise, sagte ein Königshaus-Sprecher.

Dazu passt thematisch das offizielle Geschenk der Regierung für den Jubilar und für Königin Sonja, die im Juli 75 wird: Es ist eine Ausstellung, die unter dem Titel „Königliche Reisen 1905-2005“ dokumentieren soll, wie royale Trips die Monarchen und das Volk näher gebracht haben. Harald hat es diesbezüglich nicht leicht gehabt, denn ausgesprochen populär war vor allem sein Vater, König Olav V. (1903-1991), den seine Landsleute sogar zum „Norweger des 20. Jahrhunderts“ wählten.

Harald ist in seinem Land vor allem als leidenschaftlicher Segler, Jäger und Angler bekannt. Er trug 1964 bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Tokio Norwegens Fahne als aktiver Olympionike. 1987 wurde er mit seiner Jacht „Fram X“ Segelweltmeister. Dass der naturliebende König 20 Jahre lang Präsident des Umweltverbandes WWF (World Wide Fund for Nature) in Norwegen war, ist dagegen weniger geläufig. Seit er 1991 den Thron bestieg, fiel er zweimal krankheitsbedingt als Staatsoberhaupt aus: 2003 wurde er erfolgreich an Blasenkrebs operiert, zwei Jahre später folgte ein Herz-Eingriff. „Ich fühle mich gut“, sagt er.

Privat musste Harald als Kronprinz fast zehn Jahre warten, bis ihm sein Vater Olav nach Konsultationen mit dem Parlament und den Parteien 1968 erlaubte, die Bürgertochter Sonja Haraldsen und jetzige Königin Sonja (74) zu heiraten. Olav hätte eine „blaublütige“ Schwiegertochter vorgezogen.

Wenig Zeit für die Kinder

Auch Harald tat sich später mit der Partnerwahl seines Sohnes, Kronprinz Haakon, schwer. Der heute 38-Jährige verliebte sich in die alleinerziehende Mutter Mette-Marit Høiby, heute Prinzessin Mette-Marit (38). Beide heirateten 2001 und haben zwei gemeinsame Kinder, die achtjährige Ingrid Alexandra und den sechs Jahre alten Sverre Magnus. Aus einer früheren Beziehung brachte Mette-Marit ihren Sohn Marius (15) mit in die Ehe. Es sei ihm seinerzeit schwer gefallen, seine Rolle als König und als Vater zu verbinden, räumte der Monarch ein. „Wir waren oft weg.“ Sein Sohn und seine Schwiegertochter machten es dagegen besser und verbrächten mehr Zeit mit den Kindern.

Die bislang schwierigsten Momente als Staatsoberhaupt machte König Harald nach dem Blutbad im Sommer vergangenen Jahres durch, als der Rechtsradikale Anders Behring Breivik bei zwei Anschlägen 77 Menschen tötete. Bei der Trauerfeier für die Opfer stand dem Monarchen die Bestürzung ins Gesicht geschrieben.

„Als Vater, Großvater und Ehemann kann ich Ihren Schmerz nur erahnen. Als König dieses Landes fühle ich mit jedem von Ihnen“, sagte er damals. Zugleich versuchte er, seinen Landsleuten Mut zu machen: „Ich glaube weiterhin daran, dass die Freiheit stärker ist als die Angst. Ich glaube weiterhin an eine offene norwegische Demokratie und Gesellschaft. Und ich glaube weiterhin an unsere Fähigkeit, in unserem eigenen Land frei und sicher zu leben.“

Die Rolle der Monarchie sei möglicherweise nach dem Massaker für die Menschen offensichtlicher geworden, meinte er später. Im Grunde genommen habe sich deren Bedeutung aber nicht geändert: „Ein Bindeglied der Gesellschaft zu sein und die Einheit der Nation zu bewahren.“

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 21.02.2012  09:28
aktualisiert: Di, 21.02.2012  11:28
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