Die Monroe im Männerclub
Kino unter Palmen
Kino aus aller Welt. Der Hollywood-Schauspieler Tim Roth leitet die fünfköpfige Jury in der Nebensektion „Un Certain Regard“, die ganz im Zeichen des „Weltkinos“ steht.
Cannes-Klassiker. Zum 65. Geburtstag schenkt sich das Festival Sondervorführungen von Filmen, die die Filmgeschichte geprägt haben. Highlight: Robert De Niro präsentiert die restaurierte Version des Sergio-Leone-Klassikers „Es war einmal in Amerika“.
Konkurrenzlos. Kleine und große Meisterwerke, die zwar im großen Rahmen gezeigt, aber in keinem der Wettbewerbe vertreten sind, sind unter anderem „Ich und du“ von Bernardo Bertolucci, „Hemingway & Gellhorn“ von Philip Kaufman und der Animationsblockbuster „Madagaskar 3“.
Meisterklassen. Der legendäre Produzent und Schauspieler Norman Lloyd (98), der unter anderem mit Alfred Hitchcock und Orson Welles zusammengearbeitet hat, erlaubt sich in mehreren Veranstaltungen persönliche Streifzüge durch die Filmgeschichte. Zudem plaudert der gefeierte Film-Komponist Alexandre Desplat (u. a. „Tree of Life“) aus dem Nähkästchen.
Cannes – Einst gratulierte Marilyn Monroe dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy zum Geburtstag und löste, ob der kaum kaschierten sexuellen Untertöne, beinahe eine Staatsaffäre aus. Heuer lassen sich die Internationalen Filmfestspiele in Cannes von Monroe zum 65. Geburtstag gratulieren. Überlebensgroß prangt die Hollywood- Ikone samt Geburtstagstorte auf dem Plakat des Festivals. Und sorgte damit im Vorfeld des Festivals – das heute mit Wes Andersons Pfadfinderkomödie „Moonrise Kingdom“ eröffnet wird – erneut für Gesprächsstoff. Allerdings über Umwege. Denn auch am Plakat ließ sich festmachen, was zahlreiche Filmschaffende zunehmend am ruhmreichen Festival an der Croisette erzürnt.
„In Cannes zeigen Frauen ihr Gesicht und Männer ihre Filme“, meldeten sich eine ganze Reihe verdienter Filmemacherinnen, darunter Coline Serreau („Drei Männer und ein Baby“) und Virginie Despentes („Baise-Moi“) in der Tageszeitung Le Monde zu Wort und übten damit heftige Kritik an der Einladungspolitik von Festivalchef Thierry Frémaux. Dieser hat 22 Filme in den Wettbewerb um die Goldene Palme berufen. Alle stammen von zum Teil namhaften, allerdings durchwegs männlichen Filmemachern. Überhaupt hat in der 64-jährigen Geschichte des Festivals erst einmal eine Frau den Hauptpreis gewonnen: 1993 wurde die Neuseeländerin Jane Campion für „Das Piano“ ausgezeichnet.
Sieht man davon ab, dass Cannes auch 2012 das bleibt, was es immer war – das Schaulaufen talentierter Männer in dekorativer Begleitung –, muss man allerdings feststellen, dass es die Auswahl der Filme, die Frémaux und seine Zuarbeiter nach Cannes geladen haben, in sich hat.
So ziemlich alles, was in der Filmwelt zwischen Los Angeles und Tokio Rang und Namen hat, versammelt sich in den kommenden zehn Tagen an der Croisette. Vielfach preisgekrönte Altstars, wie Alain Resnais, Ken Loach und David Cronenberg treten gegen internationale Arthousegrößen wie Abbas Kiarostami oder Walter Salles an. Erstmals sind zudem zwei Österreicher im Wettbewerb vertreten. Michael Haneke, der am kommenden Sonntag seinen neuen Film „Amour“ mit Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant vorstellt, und Ulrich Seidl, dessen Film „Paradies: Liebe“ bereits am Freitag zu sehen ist. In „Amour“ erzählt Haneke von zwei pensionierten Lehrern, deren Zusammenleben durch einen Schlaganfall auf die Probe gestellt wird. Seidl beschäftigt sich in seinem Film mit älteren europäischen Frauen, die an der afrikanischen Ostküste auf der Suche nach jungen Liebhabern und der vermeintlich wahren Liebe sind.
Auch Hollywood ist in Cannes traditionell stark vertreten. So haben sich unter anderem Brad Pitt, der den Gangsterfilm „Killing Them Softy“ präsentieren wird, sowie Nicole Kidman und die „Twilight“-Stars Kristen Stewart und Robert Pattinson angekündigt.
Bereits zur Eröffnung werden Bill Murray, Bruce Willis, Edward Norton und Tilda Swinton erwartet. In der neunköpfigen Jury unter dem Vorsitz des italienischen Regisseurs Nanni Moretti sitzen neben den Filmemachern Alexander Payne (USA) und Raoul Peck (Haiti) unter anderem die deutsche Schauspielerin Diane Kruger und der französische Modemacher Jean-Paul Gaultier.
Als Abschluss des Festivals wird am Sonntag, 27. Mai, der Film „Thérèse Desqueyroux“ der im April dieses Jahres verstorbenen französischen Kinolegende Claude Miller gezeigt. (jole)






