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Musik aus Tirol

Songwriter „hhanoi“ im Interview - „Ich beute mich selbst richtig aus“

Auf seinem ersten Solo-Album „Dawn“ lässt der Tiroler Singer/Songwriter Hans Hauser alias „hhanoi“ seinen Emotionen freien Lauf. Mit TT Online sprach er über Alptraum-Verarbeitungsmusik, inspirierende Dichter und seine eigenwillige Art Songs zu schreiben.

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Innsbruck - „Emotional, intim und ehrlich“ – mit diesen Worten beschreibt der Tiroler Singer/Songwriter Hans Hauser seine Musik. Vor kurzem hat der 30-Jährige unter dem Namen „hhanoi“ sein erstes Solo-Album „Dawn“ veröffentlicht. Mitte Oktober startet seine Tour, die ihn neben seinem Geburtsort St. Johann unter anderem nach Innsbruck, Wien und Berlin führen wird.

Die Tiroler Tageszeitung Online traf Hans Hauser zum Wunschkonzert im Antiquitätenladen Linter im Innsbrucker Stadtteil Pradl. Zwischen allerhand antikem Mobiliar und kuriosen Gegenständen spielte er dort den Song „Worth A Try“ unplugged. Anschließend gewährte Hauser im Interview tiefe Einblicke in sein Schaffen.

Wann hast du angefangen selbst Songs zu schreiben?

Hans Hauser: Das war Ende der Neunziger, aber erst 2004 ging‘s richtig los. Als Gitarrist der Rockband Schneiderberg habe ich auf einigen großen Festivals, wie dem Donauinselfest, Two Days A Week oder dem Forestglade West gespielt. Um dann Geld für mein Studium in London zu sparen, hab ich dann auch angefangen regelmäßig in Coverbands zu spielen …

Stichwort London. War das eine besonders intensive Zeit für dich?

Hauser (lacht): Ja, in jeglicher Hinsicht. Mein Studium hat mich musikalisch und menschlich enorm weitergebracht. Ich habe in sehr coolen Projekten mitgewirkt. Aber meine Wohnsituation hat Alpträume bei mir verursacht. Das habe ich dann auch im Song „Willston Lane“ verarbeitet.

Warum, was war los?

Hauser: Meine Freundin und ich hatten in London eine wirklich heftige Vermieterin. Ihr Kontrollwahn war extrem und sie drohte uns ständig mit den Freimaurern und der Polizei. Das war Psychoterror, ich hatte ein Jahr lang Alpträume. Irgendwann habe ich als Aggressionsbewältigungs-Therapie das Lied „Willston Lane“ aufgenommen und die Alpträume waren weg. Dieser Song ist ziemlich rotzig und sticht dadurch sehr heraus. Er ist aber keineswegs repräsentativ für das Album. (lacht)

Kommst du häufiger auf diese Weise zu deinen Liedern?

Hauser: Ja, ich beute mich selbst richtig aus (lacht). Immer wenn ich ein intensives Gefühl habe, setze ich mich hin und ziehe mich noch tiefer hinein. Dann versuche ich das ganze in Musik zu verwandeln.

Daher die Grundmelancholie, die bei häufig mitschwingt …

Hauser: Naja, ich bin sicher kein Happy-Songwriter. In meinen Liedern geht es auch um Entfremdung, die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und den Tod. Aber es ist nicht alles nur pessimistisch, meine Songs sollen auch Mut machen und Aufbruchstimmung vermitteln.

Bei vier deiner Lieder sind die Texte von den Poeten Edgar Allen Poe bzw. Paul Laurence Dunbar. Hast du hier eine besondere Affinität?

Hauser: Ich kann meine Gefühle zwar in Musik gut ausdrücken, doch bei Texten tue ich mich wesentlich schwerer. In der klassischen Musik ist es ganz normal, dass ein Dichter den Text schreibt und ein Komponist die Musik dazu macht. Das hat mich auf die Idee gebracht nach passenden Gedichten zu meiner Musik zu suchen. Aber nicht nur Poeten haben mich inspiriert. Ich habe in meiner Jugend sehr viel Beatles, Nirvana, Hendrix und Red Hot Chili Peppers gehört – diese Einflüsse gehen sicher auch nicht spurlos vorbei.

„hhanoi“ ist nicht dein einziges Projekt derzeit. Was machst du noch?

Hauser: Normalerweise spiele ich E-Bass und bin bei verschiedenen Funk-, Rock- und Improvisationsprojekten dabei. Prinzipiell bin ich als Musiker und Mensch sehr vielseitig und will das auch ausleben. Früher habe ich versucht mit einer Band alles zu machen, jetzt habe ich mehrere Bandprojekte.

Was tust du, um dein neues Album zu vermarkten?

Hauser: In erster Linie mache ich das durch die Konzerte. Veröffentlicht habe ich über das Innsbrucker Label Innzucht Bros. und vertreibe es selbst. Ich hab das Album weder auf iTunes noch auf Amazon gestellt, weil ich diesem Business entgehen wollte. Bei dem Album steht auch nicht die Perfektion im Vordergrund, sondern die Leidenschaft. Es ist keine glatt gebügelte Pop-Produktion, sondern ich habe alles live eingespielt. Dadurch sind zum Teil schiefe Töne und Fehler drin, aber das ist mir egal. Ich mache emotionsgeladene Musik und das wichtigste dabei ist, ein authentisches Gefühl zu vermitteln. Bei Live-Konzerten funktioniert das natürlich umso besser.

Das Gespräch führte Simon Hackspiel

Tourdaten:

19.10. - St. Johann (Alte Gerberei) - 20:00

20.10. - Mieders (Essbar) - 21:00

24.10. - Schwaz (Weinbar Lindner) - 20:30

26.10. - Berlin (Intersoup) - 21:00

31.10. - Schloss Landeck - 20:00

02.11. - Wien (Cafe Freihaus, Schleifmühlgasse 1040) - 20:30

07.11. - Innsbruck (Kulturcafe Propolis, Reichenauerstrasse 72, IBK) - 21:00

Das „hhanoi“-Debütalbum „Dawn“ ist erhältlich unter www.hhanoi.com oder im Musikladen Innsbruck.