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85. Oscars: Bunter Filmstrauß und österreichische Sensationshoffnung

Von Historiendrama über Politthriller bis Musical viele Genres vertreten - Österreicher Haneke und Waltz insgesamt mit sechs Nominierungen - Seth MacFarlane moderiert Gala am 24. Februar.

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Los Angeles - Wenn in knapp drei Wochen, am 24. Februar, in Los Angeles die 85. Oscar-Verleihung startet, werden Zuschauer aus 225 Ländern live vor dem Fernseher sitzen. Sie werden ab 2.30 Uhr (MEZ) eine Show aus dem Dolby Theatre erleben, bei der ein selten breites Spektrum an Filmwerken nominiert ist. Vom religionsphilosophischen Digitalspektakel bis zum Kammerspiel, vom Historienschinken bis zum Musical sind viele Genres vertreten. Der österreichische Fokus ruht dabei zweifelsohne auf Michael Haneke und Christoph Waltz, die wie bereits 2010 im Doppelpack nominiert sind. Ihre insgesamt sechs Nennungen stellen die höchste Zahl an „österreichischen“ Nominierungen bei einer Oscar-Verleihung dar.

Gewann der gebürtige Wiener Waltz 2010 den Oscar als bester Nebendarsteller in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“, ging Haneke mit „Das weiße Band“ in der Kategorie Bester ausländischer Film damals noch leer aus. Heuer stehen die Chancen des Regisseurs aber deutlich besser, ist sein „Amour“ (Liebe) nun schließlich fünfmal nominiert - Haneke als bester Regisseur und Drehbuchautor, der Film selbst als bester ausländischer und bester Film sowie Emmanuelle Riva als beste Hauptdarstellerin. Waltz tritt erneut mit einer Tarantino-Rolle an, wobei die Konkurrenz für seinen Dr. Schultz in „Django Unchained“ durchaus hart ist.

„Lincoln“ in allen wichtigen Kategorien

So ist unter anderen Tommy Lee Jones für seine Rolle in Steven Spielbergs Anti-Sklavereidrama „Lincoln“ nominiert, das mit zwölf Nennungen die Liste der Meistgenannten anführt. Als beinahe gesetzt für die Trophäe in der Kategorie Bester Hauptdarsteller gilt Daniel Day-Lewis für seine Interpretation des Präsidenten, wobei „Lincoln“ in praktisch allen wichtigen Kategorien antritt. Ihm dabei dicht auf den Fersen ist Ang Lees Literaturverfilmung „Life of Pi“ mit elf Nennungen. Mit fünf Nominierungen ins Rennen geht Tarantinos „Django Unchained“, der wie „Lincoln“ eine historische Aufarbeitung der USA mit ihrem Schuldthema Sklaverei darstellt, jedoch genreüblich auf die Rache anstelle der legistischen Regelung als Lösung setzt.

Auf Sozialkritik im leichteren Gewand baut das achtmal nominierte Musical „Les Miserables“. Der Streifen von Regisseur Tom Hooper kommt im Rahmen der Oscar-Gala noch zu weiteren Ehren, ist doch ein Special mit Nummern aus „Chicago“, „Dreamgirls“ und eben „Les Miserables“ geplant, um den Aufschwung des Filmmusicals in den vergangenen Jahren zu würdigen. Zu ähnlichen Ehren kommt auch der aktuelle James-Bond-Streifen „Skyfall“, der fünf Nominierungen vorweisen kann: So wird die Geheimagentenfilmreihe zum 50. Geburtstag gefeiert.

Die weiteren Favoritenplätze teilen sich so unterschiedliche Werke wie „Silver Linings“ als Romantikkomödie mit Tiefgang (8 Nennungen), der Politthriller „Argo“ (7 Nominierungen), Kathryn Bigelows Bin-Laden-Jagd „Zero Dark Thirty“ (5 Nennungen) sowie der Historienstreifen „Anna Karenina“ (4 Nominierungen) und der Arthausüberraschungserfolg „Beasts of the Southern Wild“ (4 Nominierungen) von Regisseur Benh Zeitlin.

Seth MacFarlane moderiert die Gala

Weniger arthausig dürfte es bei der Moderation zugehen, führt doch erstmals Seth MacFarlane durch die Gala, der kreative Kopf hinter der Comedyserie „Family Guy“ und Regisseur von „Ted“. Dessen Hauptdarsteller Mark Wahlberg und der titelgebende Teddybär werden überdies als Präsentatoren bei der Gala fungieren. Dabei werden einige der Statuetten nicht wie bisher von Models überreicht, sondern von Filmstudenten, die sich mittels eingereichter Videos um die ehrenvolle Aufgabe bewerben konnten.

Und wer die Oscar-Verleihung vornehmlich wegen der Musik sieht, der darf sich über Barbra Streisands ersten Auftritt bei der Gala nach 36 Jahren freuen. Überdies wird Großbritanniens Superstar Adele ihr Titellied aus „James Bond 007: Skyfall“ zum Besten geben und Norah Jones aus „Ted“ den nominierten Song „Everybody needs a best friend“. (APA)

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