15.12.2011
Interview

Echte Männer tragen Kleider

Temporeich, komisch und skurril ist die neue Komödie „Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck, der seine Finger gleich dreifach im Filmspiel hat: als Schauspieler, Regisseur und Co-Autor.

Von Cornelia Ritzer

Wien – Für Detlev Buck, der als Autor von „Sonnenallee“ oder Schauspieler in „Contact High“ bekannt wurde, zieht Matthias Schweighöfer sogar Frauenkleider an. In Bucks neuem Film „Rubbeldiekatz“ – ein Ausdruck für „schnell, schnell“ – spielt Schweighöfer einen Schauspieler, der erst als Schauspielerin Glück im Job und in der Liebe findet. Im Round-Table-Gespräch erzählte Detlev Buck, dass Frauen ein Geheimnis brauchen, er das Chaos liebt und Katzen unzähmbar sind.

Wer gefällt Ihnen besser­: Dustin Hoffman in „Tootsie­“ oder Matthias Schweig­höfer?

Detlev Buck: Matthias ist besser­ als Dustin Hoffman, weil er sich nicht versteckt. Er ist als Frau erkennbar, Tootsie­ versteckt sich hinter einer Brille. Und Matthias geht mit einem sehr guten Make-up als tolle Frau durch. Ich finde ihn eleganter und mehr sexy als Tootsie. „Rubbeldiekatz“ ist aber kein Remake von Tootsie und soll es auch nicht sein. Ich finde den toll, hab ihn gesehen, aber fand den dann in die Jahre gekommen, nicht nur wegen den Klamotten und den Frisuren, sondern auch wegen dem Tempo. Der ist relativ langsam. Eine kleine Anlehnung in der Grundstory haben wir schon, aber es ist nicht same same, sondern eine größere Vermixung, die wir da haben.

Machte es Spaß, eine Verwechslungskomödie mit Mann und Frau zu machen­?

Buck: Absolut! Das befreit auch, und wir spielen da auch mit allen Klischees. Zu einem Film gehören Klischees, aber wir brechen die auf und überraschen. Sonst sagt man, das habe ich schon tausend Mal gesehen und das ist langweilig. Ich möchte definitiv was Neues machen, sonst langweile ich mich selber.

Matthias Schweighöfer soll besonders unter den hohen Absätzen gelitten haben.

Buck: Da haben wir ein bisschen übertrieben. Er hatte eine gute Mentorin, die auch im Film auftaucht, die Zoe, ein Model von Guido Maria Kretschmer. Die hat ihn quasi getuned. Sie ist eine gute Lehrerin, sie hat Grandezza. Und man braucht als Frau Grandezza und ein Geheimnis.

Sie sind bei diesem Film Regisseur, Schauspieler und haben das Drehbuch mitgeschrieben. Ist das dreimal so viel Stress oder dreimal so viel Spaß?

Buck: Jürgen Honk (Bucks Rolle im Film) ist quasi immer dabei, den kann ich jederzeit auspacken. Das andere ist Arbeit. Die Regiearbeit hat aber gut geklappt, weil alles gut vorbereitet war. Und es war ein Genuss, mit Decker (Anm.: Anika Decker schrieb auch das Drehbuch zu „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“) das Drehbuch zu schreiben­. Decker ist, glaub ich, eine der neugierigsten Frauen von Berlin, und ich bin auch neugierig, und wir haben sehr viel voneinander erfahren. Man merkt das auch, dass Mann und Frau das geschrieben haben. Und da gibt‘s auch ein paar neue Dinge zu erfahren über Mann und Frau. Was Liebe ist, was Sex ausmacht und was passiert, wenn man sich mag.

Was war der größte Spaß am Film?

Buck: Meine Lieblingsszene ist dann, wenn alles durcheinandergerät, dann rumpelt es in der Kiste und die Anarchie­ ist da. Eine gute Komödie macht auch mal richtig ein Fass auf und befreit dann, weil alles kaputtgeht. Und das mag ich. Eine Komödie muss angstfrei sein.

Eine Katze kommt ja nicht nur im Filmtitel, sondern auch im Film vor. Wie war die Zusammenarbeit mit Rubbel?

Buck: Es ist das dritte Mal, dass ich mit einer Katze arbeite, und es ist jedes Mal dasselbe: Die Tiertrainerin sagt, das Tier ist fantastisch gezähmt, und es ist nix! Katzen­ sind eben eigen­willig, das macht sie auch aus. Der Film heißt „Rubbeldiekatz“ und ist auch eigenwillig. Und ich will nicht die Frauen enttäuschen: Sicher­lich liebt die Katze euch, aber sie liebt mehr eure Wohnung und das Fresschen. Muss ich leider sagen. Das sind unabhängige Geister.­

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 15.12.2011
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